Neues Kölner Stadtarchiv zwölf Jahre nach Einsturz eröffnet

Das neue Kölner Stadtarchiv aus der Vogelperspektive.

Neues Kölner Stadtarchiv zwölf Jahre nach Einsturz eröffnet

Von Jochen Hilgers

Am Freitag ist das neue Kölner Stadtarchiv eröffnet worden. 90 Millionen Euro hat der Neubau gekostet - er soll Köln einen Teil seiner Erinnerungen wiedergeben.

Vor zwölfeinhalb Jahren verlor die Stadt Köln ihr Gedächtnis. In einer riesigen Qualmwolke krachte das Stadtarchiv in der Kölner Südstadt in sich zusammen. Auslöser waren Bauarbeiten für die geplante, darunter gelegene U-Bahn.

Zwei junge Männer starben. Eine Anwohnerin nahm sich später das Leben. Jetzt hat Köln zumindest einen Teil des Gedächtnisses wieder. Feierlich ist am Freitag der Neubau des Stadtarchivs unweit des Kölner Gerichts eröffnet worden. Für 90 Millionen Euro ist ein großzügiger Bau entstanden, der die Kölnerinnen und Kölner anlocken soll.

Neues Historisches Archiv in Köln öffentlich vorgestellt

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur 03.09.2021 06:32 Min. Verfügbar bis 03.09.2022 WDR 5


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Es ist ein großer, wuchtiger viereckiger Bau, der trotzdem eher unauffällig daherkommt. Das Gedächtnis Kölns scheint darin sicher aufbewahrt. Sicherer jedenfalls als zuvor. 

Neues Stadtarchiv soll für alle Menschen in Köln geöffnet sein

Das eingestürzte Kölner Stadtarchiv aus der Luft betrachtet.

Das eingestürzte Kölner Stadtarchiv.

Jede und jeder bei der Pressevorbesichtigung am Tag zuvor wusste genau, wo er war am 3. März 2009. Den Architekten Felix Waechter erreichte die Meldung zu Hause in Darmstadt. Er konnte es nicht glauben. Die jetzige Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hörte vom Einsturz im Autoradio. Sie fasste schon damals den Entschluss, dabei mitzuhelfen, die Wunde zu mildern – wenn sie sich schon nicht heilen lässt. „Es bleibt eine Narbe“, sagte Reker dem WDR sichtlich bewegt bei der Vorbesichtigung. Sie werde immer sehr emotional beim Thema Stadtarchiv.

Für Köln völlig untypisch gab es beim Bau keine nennenswerten Verzögerungen und auch der Kostenrahmen wurde mit 90 Millionen Euro mehr oder weniger eingehalten.

95 Prozent der im März verschütteten Archivalien werden hier später einmal lagern. Die Restaurierungsarbeiten sind in vollem Gang, werden aber noch fast 30 Jahre in Anspruch nehmen. Das Archiv ist also auch ein Versprechen für die Zukunft, sagt die Kölner Oberbürgermeisterin.

Die Leiterin des Archivs, Bettina Schmidt-Czaja, war schon damals im Amt. Sie rettete sich in letzter Sekunde – wie viele andere. Heute geht sie erstaunlich nüchtern mit der Geschichte ihres Archivs um. Sie möchte das Archiv – ebenso wie die Oberbürgermeisterin – für alle Menschen in Köln öffnen. Und nicht nur für Wissenschaft und Forschung. Sei es, ob sie die eigene Familiengeschichte oder die Historie ihres Vedeels recherchieren möchten.

Neues Kölner Stadtarchiv: 50 Kilometer Regale wurden verbaut

Rein technisch ist der Bau auf dem neuesten Stand. Es gibt im Gebäude neun Klimazonen – damit die unterschiedlichen Archivgüter bestmöglich geschützt werden können. Statisch sei der Bau eine Herausforderung, sagt der Architekt. Es seien alleine 50 Kilometer Regale verbaut worden.

In den kommenden Tagen wird in Köln der Neubau gefeiert. Die Menschen in der Stadt sollen ihr Archiv neu entdecken. Schon in der Woche darauf geht das Stadtarchiv in den Normalbetrieb. Soweit man bei der belasteten Geschichte des Archivs von „normal“ sprechen kann.

Neubau des Kölner Stadtarchivs wird eröffnet

WDR 3 Mosaik 03.09.2021 04:41 Min. Verfügbar bis 03.09.2022 WDR 3


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Stand: 03.09.2021, 17:48