Freigestellter Kölner Weihbischof hält Kleinkinder-Gottesdienst

Ansgar Puff ist im Zuge des Missbrauchsskandals im Erzbistum Köln freigestellt worden.

Freigestellter Kölner Weihbischof hält Kleinkinder-Gottesdienst

Von Jochen Hilgers

Das Kölner Erzbistum gerät in die Kritik, weil der vorläufig freigestellte Weihbischof Ansgar Puff weiter als Pfarrer tätig ist.

Die Kirchengemeinde St. Bruno in Köln-Klettenberg bestätigte WDR-Recherchen, nach denen Puff am 3. Oktober dort einen Kleinkinder-Gottesdienst leiten soll.

Im Missbrauchskomplex des Kölner Erzbistums wird Puff eine Pflichtverletzung vorgeworfen, weil er gegen die Aufklärungspflicht verstoßen haben soll. Dass er jetzt ausgerechnet einen Kleinkinder-Gottesdienst zelebrieren soll, stößt bei der Reforminitiative Maria 2.0 auf Unverständnis.

Maria 2.0 kritisiert Erzbistum Köln scharf

Es zeige sich, dass das Erzbistum jedes moralische Fingerspitzengefühl und jedes Sensorium ausgeschaltet habe, sagt Sprecherin Maria Mesrian. Wenn jemand, der Taten vertuscht habe, dann Kleinkinder-Gottesdienste abhalte, passe das nicht zusammen. 

Es geht um sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen und deren jahrzehntelange Vertuschung. Täter wurden versetzt. Anstatt auf der Seite der Opfer zu sein, stand man ganz klar auf der Seite der Täter und dazu zähle ich alle Mitglieder der Bistumsleitung. Also auch Ansgar Puff“, so Maria Mesrian im WDR-Interview.

Kölner Erzbistum versteht Aufregung um Ansgar Puff nicht

Im Erzbistum versteht man die Aufregung nicht. Der neue Kommunikationsdirektor Christoph Hardt verweist darauf, dass Puff zwar keine bischöflichen, aber durchaus priesterliche Aufgaben erfüllen dürfe.

Der Kinder-Gottesdienst in St. Bruno sei eine immer wiederkehrende Messfeier und Ansgar Puff habe auch schon häufiger in diesen Kleinkinder-Gottesdiensten zelebriert.

Insofern, sagt Christoph Hardt, sei das ein ganz normaler Vorgang. Ansgar Puff verweist in einem Telefonat ebenfalls darauf, dass er gebeten habe, von seinen bischöflichen Aufgaben freigestellt zu werden, aber nicht von seinen priesterlichen.

Kölner Gemeinde St. Bruno sieht keine Gefahr

Auch der Pfarrer der Kirchengemeinde in Köln-Klettenberg, Karl-Josef Schurf, stellt sich hinter Ansgar Puff. Die Gemeinde hatte Puff gebeten, den Gottesdienst zu zelebrieren. Da es eine öffentliche Veranstaltung sei, glaube er nicht, dass der Gottesdienst eine Gefahr berge, sagt Schurf.

Man könne das als unklug ansehen, so Schurf weiter. Da Ansgar Puff aber selber einen Fehler einsehe, hält der Pfarrer den Gottesdienst für vertretbar. Es sei nichts Anrüchiges. 

Maria Mesrian: Engagement von Ansgar Puff ein "No-Go"

Maria Mesrian schüttelt da den Kopf. Sie verweist darauf, dass in Rom noch Untersuchungen über die Missbrauchsskandale in Köln laufen würden. Zumindest solle man die Ergebnisse abwarten, fordert die Sprecherin von Maria 2.0. Das Engagement von Ansgar Puff sei ein absolutes "No-Go".

Sie kenne viele Gläubige, die den Kopf darüber schütteln würden, dass so etwas in den Gemeinden praktiziert wird, so Mesrian.

Stand: 14.09.2021, 20:24