Schüsse in Kölner Getränkemarkt – Polizist verurteilt

Ein Polizist der Polizei NRW.

Schüsse in Kölner Getränkemarkt – Polizist verurteilt

Von Markus Schmitz

2019 schoss ein Kölner Polizist mehrmals auf einen gesuchten 19-Jährigen. Der junge Mann wurde schwer verletzt. Am Freitag endete der Prozess gegen den Beamten.

Es kommt selten vor, dass ein Prozess vor dem Kölner Landgericht mit so viel Tempo verhandelt wird. Erst vergangenen Woche Mittwoch begann das Verfahren – daraufhin kamen an jedem Wochentag bis zum Freitag, dem 17.09.2021 alle Beteiligten zusammen, um diesen Fall aufzuklären.

Nach acht Verhandlungstagen spricht der Vorsitzende Richter das Urteil. Der 46 Jahre alte Zivilfahnder der Kölner Polizei hat sich der gefährlichen Körperverletzung im Amt schuldig gemacht. Das Gericht verurteilt ihn zu einer Strafe von acht Monaten auf Bewährung.

Kölner Polizist befürchtete Ende des Beamtenverhältnisses

Auf den ersten Blick scheint die Strafe milde. Für den Polizisten ging es aber um viel. Wäre er zu mindestens zwölf Monaten auf Bewährung verurteilt worden, hätte man den Beamten aus dem Polizeidienst entfernen müssen. Der Mann hätte dann vor dem beruflichen Nichts gestanden.

Doch so weit kam es nicht, obwohl ein Vertreter der Nebenklage das in seinem Plädoyer gefordert hatte. Dennoch: Auch bei der Strafe von acht Monaten könnte dem Polizisten ein Disziplinarverfahren drohen. 

Landgericht Köln urteilt: Schüsse waren nicht gerechtfertigt

Alexander D. war wegen eines Haftbefehls gesucht worden. Als die Polizisten versuchten, ihn festzunehmen, lief er weg. Der junge Mann sagte im Prozess aus, er habe gar nicht gewusst, dass Polizisten hinter ihm her gewesen seien, weil sie sich nicht als solche zu erkennen gegeben hätten.

Das widerlegte das Gericht. Ab einem bestimmten Zeitpunkt habe er wissen müssen, dass ihn die Polizei verfolge, so der Vorsitzende Richter. Die Fluchtszene wurde von einer Überwachungskamera eingefangen.

Augenblicksversagen führte zu Schüssen

In einem Getränkemarkt am Sudermanplatz gab es schließlich die Konfrontation. Der Flüchtige hatte sich in den Räumen des Marktes verschanzt, ging allerdings später an den Beamten vorbei und setzte seine Flucht fort. In diesem Moment schoss der Polizist fünfmal. 

Das Gericht bezeichnete das Verhalten des Beamten als sogenanntes Augenblicksversagen. Er habe unbedingt gewollt, dass der junge Mann nicht wieder wegrennt. Nach Überzeugung der Richterinnen und Richter hatte der Polizist die Schussabgaben nicht angekündigt. Das sei ein Grund, warum die Schüsse nicht gerechtfertigt seien. 

Verdächtiger wurde schwer verletzt

Der junge Mann stand im Verdacht, an einem Raub beteiligt gewesen zu sein – deshalb gab es den Haftbefehl. Die Verletzungen durch die Schüsse des Polizisten waren wie durch ein Wunder nicht lebensbedrohlich, weil sie am Oberkörper lediglich sogenanntes Weichgewebe getroffen hatten.

Allerdings hätten die Schüsse auch die Wirbelsäule beziehungsweise empfindliche Stellen am Hals treffen können. Der Schuss in den Oberschenkel traf den Knochen und führte dazu, dass ein Bein des 19-Jährigen nun kürzer ist als das andere. 

Männer geben sich im Landgericht Köln die Hände

Der angeklagte Polizist hatte erst zur Mitte des Prozesses gesagt, dass ihm das Geschehen leidtue. Das hatten viele als taktische Entschuldigung gewertet.

Nach der Urteilsverkündung gab es dann aber doch eine Szene, die einigen Beobachtern unter die Haut ging: Der Polizist und der jetzt 22-jährige Alexander D. gaben sich die Hand. Was in diesem Moment gesprochen wurde, ist nicht bekannt. 

Stand: 17.09.2021, 17:22