Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 – Bundesgerichtshof prüft Kölner Urteile

Das eingestürzte Kölner Stadtarchiv aus der Luft betrachtet.

Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 – Bundesgerichtshof prüft Kölner Urteile

Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009: Der Bundesgerichtshof hat am Mittwoch über Revisionen gegen die Kölner Urteile verhandelt. Eine Entscheidung soll erst Mitte Oktober bekannt gegeben werden.

Es sei ein extrem komplexer Sachverhalt, sagte der vorsitzende Richter am Vormittag. Auch deshalb würden die Entscheidungen in dem Fall voraussichtlich erst Mitte  Oktober verkündet. Die Staatsanwaltschaft hält das Urteil im Fall der beiden Bauleiter für „durchgehend rechtsfehlerhaft“.

Helferinnen und Helfer des THW an der Einsturzstelle des Kölner Stadtarchivs.

Das Kölner Landgericht hatte zwar Verletzungen der Sorgfaltspflicht festgestellt, diese seien aber nicht ursächlich für den Einsturz des Archivgebäudes gewesen. Vielmehr seien Fehler beim Aushub für eine tiefe Betonwand gemacht worden. Ein Hindernis, ein großer Basaltstein sei nicht beseitigt worden. Dadurch, so das Gericht, sei später eine Fehlstelle entstanden.

Hinweise auf Bauprobleme nicht beachtet

Die Staatsanwaltschaft hält dagegen. Die Anzeichen für einen Baufehler seien deutlich gewesen, und die Bauleiter hätten dies erkennen müssen. Es habe in der Baugrube Probleme gegeben, die weder richtig gedeutet, noch dokumentiert worden seien.

Neben den beiden Freisprüchen der Bauleiter überprüft der Bundesgerichtshof auch die vom Kölner Landgericht verhängten Bewährungsstrafen gegen einen Oberbauleiter und einen Bauüberwacher der Kölner Verkehrsbetriebe. Deren Verteidiger:innen hatten Revision eingelegt.

Nebenkläger berührt von Anteilnahme

Auch der Halbbruder eines bei dem Einsturz getöteten jungen Mannes war in Karlsruhe bei der Verhandlung mit dabei. Er geht davon aus, dass sich das Kölner Landgericht noch einmal mit dem Fall beschäftigen muss. Sollte der Bundesgerichtshof  Rechtsfehler in den Urteilen feststellen, wird das Verfahren an eine anderen Kammer des Landgerichts verwiesen.

Zwei Gedenkkränze hängen am Zaun vor der Unglücksstelle

Zwei Gedenkkränze der Stadt Köln hängen am Bauzaun vor der Unglücksstelle

Der Nebenkläger sagt aber auch , er sei immer wieder froh, wenn sich die Menschen in Köln an den Jahrestagen versammeln, um an seinen Halbbruder, den getöteten Studenten und an die Frau zu erinnern, die sich nach dem Einsturz aus Verzweiflung das Leben genommen hat.  

Bei dem Unglück am 3. März 2009 starben zwei Menschen, der Sachschaden beläuft sich auf über eine Milliarde Euro.

Der Einsturz des Kölner Stadtarchivs: Wer hat versagt? die story 27.02.2019 43:59 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Von Ingolf Gritschneder, Wolfgang Minder

Stand: 07.07.2021, 18:51