Wenn das Los über die Schule entscheidet

Schüler und Eltern demonstrieren vor dem Kölner Rathaus.

Wenn das Los über die Schule entscheidet

In Köln haben 400 Grundschüler keinen Platz an ihrem „Wunsch-Gymnasium“ bekommen. Sie müssen sich jetzt an anderen Schulen bewerben, die dann auslosen, wer den Platz bekommt. Ein Unding, sagen die Eltern und sind am Dienstag vor das Rathaus gezogen, wo der Schulausschuss tagte.

Der zehnjährige Benjamin steht mit seinem Vater Olaf Wittrock auf dem Alter Markt vor dem Kölner Rathaus. In der Hand hält er ein Protestschild. Auf dem steht: „Losverfahren machen nur Barbaren“. Benjamin und sein Vater demonstrieren mit rund 120 anderen Kindern und Eltern gegen die derzeit laufende Verlosung von Plätzen an den Kölner Gymnasien.

Das Los entscheidet, welche Schule in Köln es wird

Benjamin ist eines von rund 400 Kindern, die keinen Platz an ihrer Wunschschule bekomme haben. Eigentlich wollte er gerne zusammen mit seinen Freunden auf das Schiller-Gymnasium im Stadtteil Sülz gehen. Die Schule ist nur rund 600 Meter von seinem zu Hause entfernt. Benjamin hätte also gut zur Schule laufen können. Aber er und rund 100 andere Schülerinnen und Schüler haben hier keinen Platz bekommen. Wie in den vergangen Jahren hatten auch seine Eltern einen Zweitwunsch angegeben. Dabei haben Schulen, Schulverwaltung und Bezirksregierung versucht, die jeweils beste Lösung zu finden. Doch mitten im Anmeldeverfahren verkündete die Stadt, dass in Abstimmung mit der Bezirksregierung dieses Verfahren nicht mehr möglich sei.

Stattdessen muss sich Benjamin nun selbst an einer Schule bewerben. Ob er da dann angenommen wird, entscheidet das Los. Wenn der zehnjährige Pech hat, muss er auf ein Gymnasium auf der anderen Rheinseite gehen. Statt zehn Minuten Schulweg müsste Benjamin dann eine Stunde mit Bus und Bahn zur Schule fahren.

Losverfahren für Kölner Schulen: Keine Lösung in Sicht

Viele Eltern, die auch vor dem Rathaus stehen, fürchten wie Benjamins Vater, dass ihre Kinder lange Schulwege zurücklegen müssen. Eine Lösung für sie gibt es auch im Schulausschuss des Rates nicht. „Das ist ein Desaster, dass die Eltern jetzt in dieser Situation sind“, gab der Schuldezernent Robert Voigtsberger heute zu. Der Schulbau müsse auf der Prioritätenliste ganz nach oben, sagte der Dezernent heute bei der Sitzung des Schulausschusses, damit sich in den kommenden Jahren die Situation nicht noch verschlimmere. Bei der Sitzung war auch Benjamins Vater Olaf dabei, der enttäuscht ist, weil es keine konkreten Lösungen seitens der Stadt gibt. Für seinen Sohn Benjamin und die 400 anderen betroffenen Kinder geht die Lotterie also weiter.

Weiter Ärger um Schulplatzvergabe Lokalzeit aus Köln 19.04.2021 02:38 Min. Verfügbar bis 19.04.2022 WDR

Stand: 20.04.2021, 17:43

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