Hetze gegen Homosexuelle? Priester vor dem Kölner Amtsgericht

Stand: 20.05.2022, 06:31 Uhr

Es ist ein ungewöhnlicher Prozess vor dem Kölner Amtsgericht: Zwei Geistliche müssen sich wegen des Vorwurfs der Volksverhetzung verantworten.

Von Markus Schmitz

Die Beschuldigten haben einen Artikel veröffentlicht, in dem Homosexuelle Krebsgeschwüren gleichgesetzt werden. In ihrem Beitrag ist von "Homomafia" und "Parasiten" die Rede.

Anfang 2021 erscheint in dem katholischen Fachblatt "Theologisches" ein Artikel des polnischen Priesters Dariusz Oko. Der Bericht hat die Überschrift: "Über die Notwendigkeit, homosexuelle Cliquen in der Kirche zu begrenzen". In dem Artikel stellt der Verfasser unter anderem die These auf, dass die homosexuellen Priester in der katholischen Kirche verantwortlich für den Missbrauch an Kindern und Jugendlichen seien.

Homosexuelle Hetze in Kölner Fachzeitschrift?

Der Priester Wolfgang Rothe aus München las den Artikel und stellte unmittelbar danach Strafanzeige bei der Kölner Staatsanwaltschaft, weil die Fachzeitschrift in Köln verlegt wird.

Wolfgang Rothe nennt die Thesen in dem Artikel "dumpfe, homophobe Behauptungen" und hofft, dass sich in dem Amtsgerichtsprozess der Vorwurf der Volksverhetzung bestätigt. Sowohl der Autor als auch der Verleger des Textes wurden bereits per Strafbefehl zu mehreren tausend Euro Geldstrafe verurteilt. Weil sie diese Strafe nicht akzeptierten, kommt es nun zu dem Prozess.

Kölner Strafbefehl empört polnische Katholiken WDR Religion 03.08.2021 03:08 Min. Verfügbar bis 10.08.2022 WDR 5

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"Akademische Freiheit mit Füßen getreten"

Nach Bekanntwerden der Strafe gegen den polnischen Autor kritisierte der stellvertretende polnische Justizminister die deutsche Justiz scharf. Er sagte: "Hier wird die akademische Freiheit mit Füßen getreten." In Polen sind viele Menschen mit konservativer Einstellung der Ansicht, dass die in dem Artikel geschriebenen Thesen der Meinungsfreiheit unterliegen. Online gab es eine Unterschriftenliste für den polnischen Autor und Theologieprofessor, die mehrere zehntausend Menschen unterzeichnet haben.

Vor dem Kölner Amtsgericht soll nun der mehrseitige, umstrittene Artikel der beiden Angeklagten vorgelesen werden. Die Richterin wird dann entscheiden, ob es sich um Meinungsfreiheit oder Volksverhetzung und strafbare Beleidigungen handelt. Ein Urteil könnte noch am Freitag gesprochen werden.

Über das Thema berichtet die Lokalzeit aus Köln am 20.05.2022 auch im WDR Fernsehen und auf WDR 2.  

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