Ein Obdachloser raucht barfuß in Köln.

Köln: Konflikte mit Obdachlosen nehmen zu

Stand: 19.08.2021, 07:06 Uhr

Weil es in Köln immer häufiger zu Konflikten mit Obdachlosen kommt, fordern mehrere Bürgervereine in der Innenstadt zusätzliche Angebote für hilfsbedürftige Menschen.

Von Jens Gleisberg

Besonders in der Südstadt und am Eigelstein haben Auseinandersetzungen zwischen Anwohnern und betrunkenen oder drogenabhängigen Menschen offenbar zugenommen.

Kölner Südstadt: Obdachlose klauen Menschen das Essen vom Tisch

Mehmet Cakabay in seinem Imbiss in der Kölner Südstadt.

Die Anwohner fühlten sich bedrängt, erzählt Alice Baker von der Interessengemeinschaft ABC Südstadt. Wir treffen sie im Gespräch mit Mehmet Cakaby, der einen Imbiss auf dem Chlodwigplatz betreibt.

Seinen Gästen werde das Essen vom Tisch weggeklaut, sagt Cakabay. „Es kommen viele Obdachlose und manche sind extrem gefährlich. Irgendwann sind wir raus gegangen – die haben Angst gehabt und sind dann weggegangen. Normalerweise gehen die nicht." Wer sich gegen die Übergriffe wehrt, werde bedroht. Dazu komme aggressives Betteln. Für seine Gäste sei das sehr unangenehm, sagt der Imbissbetreiber. Er müsse zusätzliches Personal auf dem Platz einsetzen.

Köln: Zusammenleben mit Obdachlosen in der Südstadt ist normal

Alice Baker von der IG Südstadt.

Das Zusammenleben mit Obdachlosen ist in der Südstadt eine seit Jahrzehnten geübte Praxis. Die Unterkunft in der Annostraße liegt nur 300 Meter entfernt. Dort können Obdachlose schlafen und essen. Aber die Aggression habe deutlich zugenommen, sagt Alice Baker und fordert Hilfsangebote durch die Stadt.

"Ich glaube, dass man hier sehr eng an vielen Stellen zusammenarbeiten muss, ämterübergreifend. Es ist nicht damit getan, dass Ordnungsamt und Polizei hier jeden Tag aufschlagen und die Leute vertreiben. Das ist nur eine Verdrängung. Es müssen Lösungen gefunden werden für diese Menschen", sagt Baker.

Auch am Eigelstein in Köln gibt es Probleme mit Obdachlosen

Nördlich des Hauptbahnhofs zum Beispiel gibt es aber dasselbe Problem. Anwohner beobachten immer wieder Menschen, die betrunken oder unter Drogeneinfluss auf dem Gehweg ihren Rausch ausschlafen, ihre Notdurft in Hauseingängen verrichten, sich auch untereinander streiten.

Ruth Wennemar vom Bürgerverein Eigelstein.

"Es sind Menschen, die trinken sich ins Koma. Die trinken nicht nur, die trinken sich bewusstlos und stellen dann natürlich auch für sich selbst eine Gefahr da", sagt Ruth Wennemar vom Bürgerverein Eigelstein. "Wir haben vor einer Zeit hier einen Obdachlosen gehabt, der auf der Straße lag, dann überfahren worden ist und mit schwersten Verletzungen immer noch im Krankenhaus liegt. Die Obdachlosen liegen mitten auf dem Gehweg, hinterlassen verschiedene Sachen, sind teilweise sehr aggressiv und das ist natürlich auch für die Anwohner und die Geschäftsleute ein Problem."

Bürgerverein Eigelstein fordert Konzepte von der Stadt Köln

Die Gespräche, die sie bisher mit der Stadt über ein Konzept zur Betreuung der Menschen zum Beispiel durch zusätzliche Streetworker geführt haben, seien bisher ohne Erfolg geblieben, sagt Wennemar.

Dabei gehe es um die Würde der obdachlosen Menschen. "Es geht auch darum, dass sie hier auf der Straße ein Leben führen, das überhaupt kein Leben mehr ist – und jede Menschenwürde. Wir fordern von der Stadt Köln einfach ein ganzheitliches Konzept, weil die Verwahrlosung hier in der Stadt an verschiedenen Stellen immer mehr zunimmt. Und wir erwarten einfach, dass die Konzepte angepasst werden – auf neue Strömungen, neue Bedingungen."

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