Klitschnass und frierend durch Köln – Fahrer kritisieren Lieferando

Nils ist seit 2018 Lieferando-Fahrer in Köln.

Klitschnass und frierend durch Köln – Fahrer kritisieren Lieferando

Von Oliver Köhler

Fahrerinnen und Fahrer von Lieferando demonstrieren am Mittwoch gegen den Lieferdienst. Ihre Kritik: Für die Arbeit im Winter würden sie nicht ausreichend eingekleidet.

Nils arbeitet seit drei Jahren für den Lieferdienst Lieferando in Köln. Ein Job, der ihm Spaß macht. Allerdings ist die Arbeit auf dem Fahrrad bei Wind und Wetter oft auch sehr unangenehm, sagt er. „Wenn es nicht nur nieselt, sondern normal regnet und man privat keine wasserdichten Schuhe hat, sind die Füße spätestens nach einer halben Stunde nass und kalt“, berichtet der Lieferando-Fahrer.

Nils kritisiert, dass Lieferando den Fahrern keine geeignete Bekleidung für die kalte und nasse Jahreszeit zur Verfügung stelle. Die Jacke, die Lieferando anbietet, halte für drei bis vier Stunden ganz gut dicht. Danach dringe die Feuchtigkeit aber durch. Es gebe keine Thermounterwäsche für die Arbeit im Winter. „Man friert, irgendwann tun auch die Hände weh, weil sie nass und kalt sind“, sagt Nils.

Für die Schuhe stelle Lieferando jetzt zwar Überzieher aus Silikon zur Verfügung. Die seien aber so rutschig, dass Sturzgefahr bestehe.

Köln: Demo gegen Lieferando in Ehrenfeld

Mitarbeiter von Lieferando und anderen Lieferdiensten haben sich zusammengeschlossen. Sie wollen am späten Mittwochnachmittag vor der Lieferando-Basis in Köln-Ehrenfeld für bessere Arbeitsbedingungen demonstrieren.

Ein Sprecher des Lieferando-Betreibers Takeaway Express GmbH bestreitet die Vorwürfe. In einer schriftlichen Stellungnahme heißt es zu Fragen des WDR:

"Lieferando-Fahrer bekommen umfassend Arbeitskleidung gestellt. Neben Helmen (...) und größenverstellbaren, gepolsterten Rucksäcken gehört dazu auch eine spezielle Winterausstattung. Diese wird auch in kälteren Ländern eingesetzt (...)". Lieferando

Lieferando-Fahrer müssen Handy-Schäden selbst bezahlen

Ein Sprecher des Kölner Lieferando-Betriebsrates sagt, die neue Bekleidung für diesen Winter sei zwar in einigen Bereichen besser, löse aber das Problem nicht. Es handele sich nicht um Funktionskleidung, die für den Outdoorbereich konzipiert sei. Deshalb würden Fahrer entweder vom Regen nass oder vom Schweiß, der nicht aus der Kunststoffkleidung entweichen könne. 

Ein anderes Problem: Alle Fahraufträge kommen über das Handy. Die Fahrer müssen ihre privaten Geräte nutzen. Wenn die runterfallen oder nass werden, hätten sie Pech, sagt Nils dem WDR: „Ich muss Schäden selbst bezahlen. Lieferando sagt uns, die Versicherung ist dafür nicht zuständig. Wir bleiben auf den Kosten für die Reparatur von Handys sitzen. Einige Mitarbeiter klagen deshalb gegen Lieferando.

Lieferando bestätigt, dass es für die Handys keine Versicherung gibt. „Im Einzelfall ist es zu schwierig, zu klären, wie und wo Schäden entstanden sind“, erklärt ein Sprecher. Das mache keine Versicherung mit.

Lieferdienste: Millionenrendite auf Kosten der Fahrer:innen? Monitor 28.10.2021 08:31 Min. UT Verfügbar bis 30.12.2099 Das Erste Von Andreas Maus, Till Uebelacker, Simon Zamora Martin

Kölner Fahrer setzt sich für höheren Stundenlohn bei Lieferando ein

Nils will, dass sich solche Dinge ändern. Denn eigentlich liebe er den Lieferjob auf dem Fahrrad, sagt er: „Bei der Arbeit haben wir frische Luft, viel Bewegung. Da braucht man nicht ins Fitness-Studio. Die Arbeitszeiten können wir flexibel planen. Wir haben keinen Chef, der ständig hinter einem herrennt. Ich kann mir nicht vorstellen, einen normalen Job 'von 9 bis 5' zu machen.

Es gebe aber Luft nach oben. Zum Beispiel müsse der Stundenlohn bei Lieferando von bisher zehn Euro deutlich steigen, damit die Beschäftigten auch in Köln mit dem Lohn ihr Leben finanzieren könnten. Nils hofft, dass der Arbeitgeber einsichtig ist und für bessere Bedingungen sorgt. 

Stand: 15.12.2021, 15:30