Kölner Ausstellung über 1.700 Jahre jüdische Geschichte in Deutschland

Das Manderscheid-Stundenbuch mit dem Werk "Die Beschneidung Jesu" im Kolumba-Museum Köln.

Kölner Ausstellung über 1.700 Jahre jüdische Geschichte in Deutschland

Von Judith Levold

"In die Weite" heißt die Ausstellung zu 1.700 Jahren jüdischen Lebens in Deutschland. Ab Mittwoch (15.09.2021) ist sie im Kölner Museum KOLUMBA zu sehen.

"Ich fühle mich irgendwie zugehöriger", sagt der 17-jährige Kölner Jude und Schüler Lev Mulik nach seinem Ausstellungsbesuch. Er sei beeindruckt, wie viele und reichhaltige Geschichten sein Volk habe. Und das schon seit so langer Zeit. Auch für Nichtjuden bietet die Schau spannende Einblicke, sowohl in den jüdischen Alltag als auch in religiöse Gebräuche – ob in der Spätantike, dem Mittelalter oder der jüngeren Vergangenheit.

Exponate aus aller Welt, aber auch aus Köln und dem Rheinland

Die Ausstellungsstücke kommen aus der ganzen Welt: den USA, Ungarn und Italien, aber auch aus Köln, Pulheim und dem Ahrtal. Sie geben zusammen mit Kunstwerken aus dem Bestand von Kolumba Einblick in unterschiedliche Themen jüdischen Lebens. "Wir haben ab jetzt ein jüdisches Museum in Köln", verkündet KOLUMBA-Direktor Stefan Kraus so auch zur Eröffnung.

Kölner Ausstellung erzählt Geschichten aus der jüdischen Geschichte

Die Ausstellung bietet Besuchern keine chronologische Dokumentation. Sie versteht sich als eine Sammlung beispielhafter und auch persönlicher Geschichten, erklären die Ausstellungsmacher. Alltagsgegenstände dokumentieren jüdisches Leben ebenso wie Kunstwerke, Dokumente, Briefe, Zeichnungen oder Fotos – in insgesamt 21 Räumen.

Das Kölner Kolumba-Museum von außen.

Im Südturm, dem höchsten Raum innerhalb von Kolumba, lehnt ein Tora-Schrein an der Wand, dem man noch Zerstörungsspuren von Nazistiefel-Tritten ansieht. In Raum 7 finden sich Gegenstände für religiöse Rituale wie Kiddusch-Becher aus verschiedenen Materialien, die zum Trinken beim Auftakt zum Sabbat genutzt werden. Dokumente wie Brief und Zeichnung des Soldaten Schmuel Doderer an seine Eltern aus dem Jahr 1807 lassen Einblick in Grundsätzliches, aber auch Persönliches zu.

Spektakuläre Exponate wie jüdische „Genisa“

Raum 9 zeigt ein ganz besonderes Highlight der Ausstellung: eine vollständige Genisa, eine Art Speicher oder Depot für ausrangierte religiöse Schriften und Gegenstände. Die nicht mehr benutzt, aber auch nicht weggeworfen werden sollen.

Gefunden wurden sie im Dachstuhl der ehemaligen Synagoge in Niederzissen. Heute sind sie Bestandteil der dortigen Gedenkstätte und bestechen besonders durch ihre zahlreichen textilen Objekte: Tora-Wickelbänder, Gebetsmäntel und Tefilline, also die Bänder an den Behältnissen für das persönliche Glaubensbekenntnis, das beim Beten um den Arm gewickelt wird.

Kölner Ausstellung "In die Weite" bis August 2022 zu sehen

Und natürlich das Edikt Kaiser Konstantins aus dem Jahr 321 n. Chr. Es gilt als Beweis für die Existenz jüdischen Lebens in Köln und ist aus historisch-antiquarischer Sicht von unschätzbarem Wert. Die Ausstellung ist bis zum 22. August 2022 zu sehen, täglich außer dienstags.

Stand: 13.09.2021, 20:55

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