Gericht entscheidet: Darum bleiben die Clubs zu

Ein DJ legt im Club "Großmarktschänke" in Dortmund auf.

Gericht entscheidet: Darum bleiben die Clubs zu

Von Christian Wolf

  • Betriebsverbot für Clubs und Diskotheken in NRW rechtmäßig
  • Gericht entscheidet gegen Kölner Betreiberin
  • Mindestabstand und Masken seien nicht realistisch

Für viele gehört eine durchzechte Nacht im Club genauso zum Wochenende dazu wie das lange Ausschlafen oder der ARD-Tatort am Sonntagabend. Erst wird vor der Tür in der Schlange angestanden, drinnen dann ausgelassen gefeiert, getanzt und das ein oder andere Glas geleert.

Doch seit Monaten ist dieses Wochenendritual nicht mehr möglich. Das Coronavirus hat zur Schließung aller Diskotheken geführt. Was in normalen Zeiten wie selbstverständlich zum Clubleben dazu gehört, gilt nun als Gefahr: viele Leute über Stunden auf engem Raum.

Das Partyvolk ist deshalb nun auf Entzug. Für die Clubbesitzer geht es um viel mehr. Sie bangen um ihre Existenz. Denn seit März fehlen die Gäste und damit auch die Einnahmen. Nicht wenige befürchten ein "Clubsterben".

Betriebsverbot bleibt

Eine Diskothek-Betreiberin aus Köln wollte sich damit nicht abfinden und wandte sich an das Oberverwaltungsgericht NRW. Ihr Argument: Die anhaltende Betriebsschließung ohne angemessenen finanziellen Ausgleich sei rechtswidrig.

Doch die Richter sehen das anders. Per Eilbeschluss wurde am Mittwoch (08.07.2020) entschieden, dass das Betriebsverbot "voraussichtlich rechtmäßig" sei. Die Verordnung des Landes muss nicht geändert werden - und die Clubs bleiben zu.

Nie wieder feiern?

WDR 5 Westblick - aktuell 03.06.2020 04:52 Min. Verfügbar bis 03.06.2021 WDR 5 Von Nie wieder feiern?

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Infektionsrisiko durch Öffnung

Die Richter konnten die Argumente für eine Schließung nachvollziehen. So sei es "voraussichtlich nicht zu beanstanden", dass geöffnete Clubs und Diskotheken generell als erhöhtes Infektionsrisiko angesehen werden. Denn die Verbreitung des Virus werde dadurch begünstigt, dass dort viele wechselnde Gäste, in üblicherweise schlecht belüfteten Räumen und zumeist über längere Zeit "dicht gedrängt beieinander stünden, säßen oder tanzten".

Hygieneregeln, wie sie zum Beispiel in Theatern oder Bars gelten, halten die Richter in Clubs und Diskotheken für ungeeignet. So sei eine Maskenpflicht oder 1,5 Meter Abstand in einer Clubatmosphäre, "in der die Gäste unbeschwert feiern wollten und bei der Nähe und Kontakt zum Geschäftsmodell gehörten" nicht realistisch.

Außerdem wird auf die staatlichen Hilfsprogramme "beispiellosen Ausmaßes" hingewiesen. Dadurch gebe es zumindest eine "gewisse Kompensation" - auch wenn die langfristig nicht die Existenz sichere.

Für alle Clubbetreiber in NRW bleibt also vorerst alles beim Alten. Wie auch die Bordelle sind sie weiterhin zu und gehören damit zu den letzten "Corona-Opfern".

Die Feierwütigen schauen sich nach Alternativen um. So überrascht es kaum, dass beliebte Treffpunkte wie die Düsseldorfer Altstadt bevölkert werden. Statt in den Diskotheken treffen sich die Menschen dort nun draußen. In den vergangenen Wochen war es dort immer wieder zu Verstößen gegen die geltenden Corona-Regeln gekommen.

Bund will Clubs fördern

WDR 5 Scala - aktuelle Kultur 30.06.2020 06:46 Min. Verfügbar bis 30.06.2021 WDR 5

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Stand: 08.07.2020, 19:44