Justiziarin des Erzbistums Köln wegen Bürostuhls gekündigt

Ein Kreuz steht hinter dem Strebewerk am Dom.

Justiziarin des Erzbistums Köln wegen Bürostuhls gekündigt

Vor dem Kölner Arbeitsgericht klagt eine Frau gegen das Kölner Erzbistum. Die Klägerin hatte mehr als 10 Jahre als Justiziarin für das Erzbistum gearbeitet.

Doch vor wenigen Monaten bekam sie die Kündigung, wie sie sagt ohne Angaben von Gründen. Am Freitag trafen sich beide Seiten erstmals seitdem vor Gericht. Dabei kam heraus: Die Justiziarin des Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki hat die Kündigung bekommen, weil sie zu Beginn der Corona-Pandemie ihren Bürostuhl mit nach Hause genommen hat.

"Absurder Kündigungsgrund"

Es sei "der absurdeste Kündigungsgrund", den er in seiner Laufbahn je gehört habe, sagte der Anwalt der ehemaligen Justiziarin, Stephan Vielmeier. Es handele sich um einen speziellen, rückenschonenden Bürostuhl, den sie mit ins Homeoffice genommen habe. Dagegen sagte der Anwalt des Erzbistums, Wolfgang Glöckner: "Es ist ein Gegenstand von durchaus erheblichem Wert, der hier mitgenommen worden ist." Das könne man nicht einfach machen.

Posttraumatische Belastungsstörungen wegen Missbrauchsaufklärung?

In der Klage gibt es noch weitere Punkte. Die Justiziarin verlangt 50.000 Euro Schmerzensgeld. Seine Mandantin habe über Jahre hinweg Missbrauchsakten bearbeiten müssen und sei mit dieser Tätigkeit zunächst "alleingelassen" worden, erklärte Anwalt Stephan Vielmeier.

Die Justiziarin leide heute unter einer posttraumatischen Belastungsstörung. Vielmeier verlangte, die Kündigung und die Versetzung in den Ruhestand zurückzunehmen.

Zerwürfnis wegen Missbrauchsaufklärung?

Die Justiziarin war unmittelbar an der Aufarbeitung der Missbrauchsvorwürfe im Erzbistum Köln beteiligt. Sie wurde auch in dem Gutachten, das im März erschienen war, aufgeführt. Darin stellen die Verfasser des Gutachtens neun Pflichtverletzungen fest, die die Frau begangen haben soll. Das seien laut Gutachten neun Verstöße gegen die Meldepflicht.

Sie habe aber, so das Gutachten weiter, während der Bearbeitung der Verdachtsfälle großen Einsatz gezeigt und habe auch in regelmäßigem Kontakt mit der Staatsanwaltschaft gestanden.

Die Justiziarin war nach Informationen des WDR maßgeblich an der Beauftragung einer Kanzlei in München beteiligt, die das erste Gutachten zu den Missbrauchsfällen erstellte. Dieses Gutachten wurden von Seiten des Kölner Erzbistums nicht veröffentlicht. Ob es möglicherweise deshalb ein Zerwürfnis mit der Leitung des Bistums gab, ist bislang nicht bestätigt.

Gütetermin gescheitert

Der Gütetermin am Freitag brachte keine Annäherung zwischen den Parteien. Nun will das Gericht am 18. Januar kommenden Jahres in der Sache entscheiden.

Stand: 03.09.2021, 16:12