Geiselnahme in Köln: Mutmaßlicher Täter identifiziert

Geiselnahme in Köln: Mutmaßlicher Täter identifiziert

  • Geiselnehmer ist identifiziert
  • 55 Jahre alter Syrer liegt im Koma
  • Bundesanwaltschaft übernimmt Verfahren

Nach der Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof prüft die Polizei einen terroristischen Hintergrund der Tat. Der Geiselnahme ging ein Brandanschlag in einem Schnellrestaurant voraus, mit dem der mutmaßliche Täter offenbar möglichst viele Menschen treffen wollte. Es sei großes Glück, dass nicht viel mehr Menschen verletzt worden seien, sagte der Kölner Kripochef Klaus-Stephan Becker am Dienstag (16.10.2018).

Wie die Kölner Polizei in der Nacht auf Mittwoch (17.10.2018) bestätigte, übernahm mittlerweile der Generalbundesanwalt in Karlsruhe die Ermittlungen zu dem Fall. Die Bundesanwaltschaft hatte diesen Schritt angekündigt und mit der "besonderen Bedeutung des Falls" sowie der mutmaßlichen radikalislamischen Gesinnung des Beschuldigten begründet.

Nicht vernehmungsfähig

Der Geiselnehmer schwebt mittlerweile nicht mehr in Lebensgefahr. "Er liegt aber weiter im Koma", sagte Miriam Brauns, stellvertretende Kölner Polizeipräsidentin bei einer Pressekonferenz des Ermittlerteams am Dienstagnachmittag.

Der Mann habe noch nicht vernommen werden können. Er war beim Zugriff der Polizei am Montag angeschossen und schwer verletzt worden. Er sei mittlerweile zweifelsfrei als 55-jähriger, syrischer Flüchtling identifiziert worden.

Suche nach Mittätern läuft

Der anerkannte Asylberechtigte sei polizeilich in den vergangenen drei Jahren insgesamt 13 Mal in Erscheinung getreten - unter anderem wegen Diebstahl, Bedrohung, Betrug und Hausfriedensbruch. Er habe in einer Flüchtlingsunterkunft gelebt und sei aus psychischen Gründen nicht in der Lage gewesen, einer Arbeit nachzugehen.

Die Ermittler hätten bisher keine Hinweise auf mögliche Komplizen gefunden. Die Suche werde aber intensiv weiter geführt - unter anderem werte man das Material der Videoüberwachung aus Bussen und Straßenbahnen aus.

Benzin in Wohnung gefunden

Sprengsatz; Koffer

Brandsätze im Restaurant

Bei einer Durchsuchung der Wohnung des Mannes sei die Polizei auf weiteres Material zur Herstellung von Brandsätzen gestoßen, hieß es. Der Benzingeruch sei so stark gewesen, dass die Wohnung von der Feuerwehr gelüftet werden musste.

An der Wand habe man zwar religiöse Inschriften gefunden - allerdings nichts, was explizit auf eine Verbindung zur Terrormiliz IS hinweisen würde.

Opfer muss operiert werden

Ein 14 Jahre altes Mädchen, das bei dem Brandanschlag schwer verletzt wurde, liegt weiter in einer Klinik. Eine Frau, die der mutmaßliche Täter über Stunden in einer Apotheke festgehalten hatte, konnte das Krankenhaus bereits am Dienstag verlassen.

Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof

Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof: Der Bahnhof wurde gesperrt, der Zugverkehr eingestellt. Gegen 15 Uhr konnten Einsatzkräfte den Geiselnehmer überwältigen.

Einsatzwagen und Menschenmenge vor dem Eingang des Kölner Hauptbahnhofes

Nichts geht mehr am Kölner Hauptbahnhof am Montagmittag (15.10.2018).

Nichts geht mehr am Kölner Hauptbahnhof am Montagmittag (15.10.2018).

Am Mittag gegen 12.45 Uhr gingen bei Polizei und Feuerwehr Notrufe ein.

Im hinteren Teil des Bahnhofs habe es Schüsse oder Explosionen gegeben, berichteten Anrufer. Die Polizei bestätigte das nicht.

In einer Apotheke werde aber eine Geisel gefangen gehalten, so die Polizei.

Polizei und Feuerwehr waren mit einem Großaufgebot am größten Bahnhof in NRW.

Der gesamte Bahnhof wurde gesperrt, der Bahnverkehr komplett eingestellt.

Rund um den Bahnhof begaben sich schwer bewaffnete Polizisten in Stellung.

Entwarnung kam gegen 15 Uhr: Der Täter sei unter Kontrolle, meldete die Polizei.

Stand: 17.10.2018, 07:00