Geiselnahme in Köln: Polizei schließt Terror-Hintergrund nicht aus

Geiselnahme in Köln: Polizei schließt Terror-Hintergrund nicht aus

  • Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof beendet
  • Polizei: Terroristischer Hintergrund ist möglich
  • Gaskartuschen und Brandbeschleuniger gefunden

Die Kölner Polizei schließt nach der Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof einen terroristischen Hintergrund nicht aus. Die Ermittlungen liefen in alle Richtungen, sagte ein Polizeisprecher am Montag (15.10.2018) in Köln. Was am Tatort gefunden worden sei, nähre die Vermutung, dass es sich bei dem Vorfall um mehr als eine Geiselnahme gehandelt habe. Der mutmaßliche Täter habe Gaskartuschen und Brandbeschleuniger bei sich gehabt.

Mehrere Verletzte

Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hatte die Geiselnahme nach zwei Stunden gewaltsam beendet. Der männliche mutmaßliche Geiselnehmer wurde dabei "schwerst" verletzt, die weibliche Geisel erlitt leichte Verletzungen. Außerdem wurde eine 14-Jährige schwer verletzt.

Wie die Polizei am Montagabend auf einer Pressekonferenz bekannt gab, zündete der Täter zunächst einen Molotowcoktail in einem Schnellrestaurant. Dabei erlitt ein 14 Jahre altes Mädchen schwere Brennverletzungen. In der gegenüberliegenden Apotheke nahm er eine Frau als Geisel. Passanten zufolge soll er gerufen haben, dass er zur Terrorgruppe IS gehöre, sagte der Polizeieinsatzleiter Klaus Rüschenschmidt.

Mann wollte Geisel anzünden

Neben Brandbeschleuniger und Gaskartuschen, von denen einige mit Klebeband verbunden gewesen seien, hatte der Mann auch eine Schusswaffe bei sich. Als die Polizei zugreifen wollte, habe er noch versucht, die Geisel anzuzünden, so Rüschenschmidt. Die Beamten gaben daraufhin mehrere Schüsse ab und trafen den Täter mehrfach. Er wurde "schwerst" verletzt und die Geisel befreit.

Polizei beendet Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof

WDR 2 | 15.10.2018 | 02:32 Min.

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Papiere eines polizeibekannten Syrers gefunden

Am Tatort wurden Papiere eines 55 Jahre alten Syrers gefunden, mit einer Duldung bis Mitte 2021. Der Geiselnehmer sei mit "hoher Wahrscheinlichkeit" der Passinhaber. Die Ermittler betonten gleichzeitig, dass die Identität des Täters aber noch nicht eindeutig geklärt sei. Der Inhaber des Dokumentes sei wegen verschiedener Delikte wie Diebstahl und Bedrohung bekannt.

Weiter Probleme im Bahnverkehr

Der Hauptbahnhof war mehrere Stunden komplett gesperrt worden. Am Montagabend wurde der Kölner Hauptbahnhof wieder für Reisende freigegeben. Die Verzögerungen können sich laut Bahn aber noch bis zum Dienstagmorgen ziehen.

Korrekturhinweis: In einer früheren Version hieß es, der Inhaber des Dokumentes sei wegen Diebstahl und Drogen bekannt. Tatsächlich ist er wegen Diebstahl und Bedrohung bekannt.

Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof

Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof: Der Bahnhof wurde gesperrt, der Zugverkehr eingestellt. Gegen 15 Uhr konnten Einsatzkräfte den Geiselnehmer überwältigen.

Einsatzwagen und Menschenmenge vor dem Eingang des Kölner Hauptbahnhofes

Nichts geht mehr am Kölner Hauptbahnhof am Montagmittag (15.10.2018).

Nichts geht mehr am Kölner Hauptbahnhof am Montagmittag (15.10.2018).

Am Mittag gegen 12.45 Uhr gingen bei Polizei und Feuerwehr Notrufe ein.

Im hinteren Teil des Bahnhofs habe es Schüsse oder Explosionen gegeben, berichteten Anrufer. Die Polizei bestätigte das nicht.

In einer Apotheke werde aber eine Geisel gefangen gehalten, so die Polizei.

Polizei und Feuerwehr waren mit einem Großaufgebot am größten Bahnhof in NRW.

Der gesamte Bahnhof wurde gesperrt, der Bahnverkehr komplett eingestellt.

Rund um den Bahnhof begaben sich schwer bewaffnete Polizisten in Stellung.

Entwarnung kam gegen 15 Uhr: Der Täter sei unter Kontrolle, meldete die Polizei.

Stand: 15.10.2018, 20:33