Stadt Köln zahlt das Siebenfache an Miete für Flüchtlinge

Stadt Köln zahlt das Siebenfache an Miete für Flüchtlinge

Von Jochen Hilgers

  • Stadt Köln zahlt Monatsmiete für Flüchtlingsfamilie von etwa 6.700 Euro
  • Langfristige Verträge mit privatem Vermieter
  • Stadt nennt Wohnungsmangel als Grund

Die Flüchtlingsfamilie lebt in einer Einzimmerwohnung in einem Boardinghaus in der Nähe des Kölner Schokoladenmuseums. Die Jahresmiete an den privaten Vermieter beträgt mehr als 81.000 Euro.

Das siebte Kind ist unterwegs

Flüchtlingskinder in Kölner Mietshaus

Hala Qaidi ist verzweifelt. Die 36-jährige Irakerin erwartet ihr siebtes Kind, kommt aber einfach nicht zur Ruhe. Keine Nacht kann sie schlafen. Die Familie wohnt mit sechs Kindern und den Eltern auf vielleicht 30 bis 35 Quadratmetern Wohnfläche. Ständig ist Krach. Ihr jüngstes Kind ist sechs, das älteste elf Jahre alt. "Ich bräuchte mehr Freiraum. Auch für die Kinder. Wir hocken hier so sehr aufeinander", sagt sie dem WDR-Reporter. Gastfreundschaft wird großgeschrieben im Irak. Auch, wenn das Geld überaus knapp ist, werden dem Gast Speisen und Getränke angeboten.

Stadt zahlt 200 Euro Miete pro Quadratmeter

Angeblich, so sagt es die Stadt, hat die Wohnung nach ihren Unterlagen mehr als 50 Quadratmeter. Etwas mehr als 30 Quadratmeter messen Flüchtlingshelfer, die die Familie unterstützen. Platz fehlt überall. Die Abstellkammer ist genauso voll geräumt wie die Schränke. Was dort nicht reinpasst, hängt an den Stockbetten. Für dieses Angebot zahlt die Stadt nach dem WDR vorliegenden Dokumenten 28 Euro pro Tag und Person. Das ergibt eine Monatsmiete von 6.720 Euro.

Zum Vergleich: Auf der Homepage des Anbieters werden die Appartements im Kölner Boarding Home Kunden offiziell für 950 Euro im Monat angeboten. "Im Preis inbegriffen ist die Pflege der Zimmer mit reichlich Handtüchern und Wäsche und W-Lan", heißt es dort.

Stadt Köln: "Wir haben genommen, was wir kriegen konnten"

Flüchtlingsunterkunft in Köln

Die Unterkunft gilt als Hotel beziehungsweise Beherbergungsbetrieb. Daher die Tagessätze, erklärt Josef Ludwig, Leiter des Amtes für Wohnungswesen der Stadt Köln. Es gibt aber weder Zimmerservice, noch Portier, noch irgendetwas, das an Beherbergung erinnert. Nur der Preis.

1,5 Millionen Euro Miete für 157 Menschen

Josef Ludwig schildert, dass in diesem Boardinghaus in der Kölner Südstadt derzeit 157 Menschen leben. Die Stadt zahle rund 1,5 Millionen Euro Miete jährlich, sagt Ludwig, rund 4.200 Euro täglich. Während der Flüchtlingswelle habe die Stadt genommen, was zu bekommen war. Mit dem Boardinghaus läuft der Vertrag noch bis 2020.

Mit dem siebten Kind steigt die Miete weiter

Die Familie Qaidi hat keine Ahnung, welche Mietkosten sie verursacht. Sie möchte endlich in menschenwürdigen Verhältnissen leben. In drei Monaten kommt das siebte Kind der Qaidis auf die Welt. Dann muss die Stadt noch mehr an den Vermieter überweisen. Das Zimmer aber wird nicht größer.

Stand: 04.04.2018, 17:07