Köln: Suche nach dem Corona-Virus im Klärwerk

Wasseruntersuchung im Klärwerk Stammheim

Köln: Suche nach dem Corona-Virus im Klärwerk

Von Frank Piotrowski

  • Viren im Abwasser geben Aufschluss über Corona-Verbreitung
  • Wissenschaftler stehen noch am Anfang
  • Abwassertest schneller als Coronatests bei Erkrankten

Im städtischen Klärwerk in Köln-Stammheim ist das Abwasser neuerdings von ganz neuem Interesse: Experten prüfen es auf Corona-Viren. Das Klärwerk und der Wasserverband Eifel-Rur beteiligen sich neben 18 weiteren Abwasserentsorgungsbetrieben bundesweit an der Entwicklung eines Corona-Frühwarnsystems.

Das Abwasser der Kölner soll mithelfen, einer Ausbreitung von Corona auf die Spur zu kommen. Weil die Coronaviren eines erkrankten Covid-Patienten über das Abwasser am Ende in den Klärbecken landen, könnten die Kläranlagen in Zukunft eine wichtige Rolle für das Monitoring von Corona spielen.

Klärwerk in Köln Stammheim könnte Vorbild sein

Das Klärwerk in Köln-Stammheim ist eines der größten in Deutschland. Anders als in vielen Anlagen in Deutschland wird das Abwasser täglich im hauseigenen Labor untersucht. Das geschieht bevor das Wasser die Klärbecken erreicht hat. Das erlaubt - so die Forscher - Rückschluss darauf, wieviele Menschen im Bereich des Klärwerks an Corona erkrankt sind.

Ein Mitarbeiter bei der Untersuchung von Wasserproben an einer Anlage im Außenbereich des Klärwerkes in Stammheim

In vielen anderen Klärwerken wird das Wasser erst während des Säuberungsprozesses untersucht und enthält deshalb nicht mehr alle Bestandteile.  Auch nicht die der Coronaviren, wenn sie im Klärwerk angekommen sind.

Wissenschaftler stehen noch am Anfang

Ist der Projektversuch in den zwanzig Klärwerken deutschlandweit erfolgreich, könnte die Corona-Abwasserkontrolle auf 900 Klärwerke in Deutschland ausgeweitet werden. Damit ließen sich 80 Prozent des gesamten Abwasserstroms deutschlandweit kontrollieren. Köln könnte Vorbild für die Entnahmemethode sein, das Wasser noch vor der ersten Reinigung zu prüfen.

Allerdings haben die Wissenschaftler noch einige Hürden zu überwinden. Wenn es regnet, müssen die Daten entsprechend umgerechnet werden, da hier das Abwasser verdünnt wird. Durch die Umrechnung soll die Vergleichbarkeit mit Regionen ermöglicht werden, in denen es zur gleichen Zeit trocken ist.

Abwassertest schneller als Coronatests bei Erkrankten

Forscher des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung in Leipzig leiten das Projekt. Sie hoffen, dass künftig Viren-Hotspots in Deutschland über das Abwasser schneller ausfindig gemacht werden können, als durch Tests an einzelnen Patienten. Gefahr durch das Coronavirus in den Klärwerken sehen sie nicht. Das Virus sei bei Eintreffen im Klärwerk längst tot, aber noch nachweisbar.

Stand: 15.05.2020, 15:59

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