Ausländerämter in Köln überlastet

Mail von Rami an das Ausländeramt Köln.

Ausländerämter in Köln überlastet

Von Janina Werner

Seit Beginn der Corona-Pandemie sind die Ausländerämter in Köln überlastet. Anträge werden zum Teil erst Monate später bearbeitet - zu Lasten der Betroffenen.

Rami (Name geändert) kommt aus Syrien und lebt seit 2014 in Deutschland. Für ihn ist das Ausländeramt das wichtigste Amt. Es entscheidet viel in seinem Leben, zum Beispiel über seinen Aufenthalt in Deutschland. Doch seit Corona sind die Ausländerämter in Köln überlastet und Betroffene klagen über monatelange Wartezeiten.

Ramis Aufenthalt gilt immer für drei Jahre, dann muss er ihn verlängern. „Ich habe im Januar alle Unterlagen zu meinem Ausländeramt geschickt und dann nichts mehr gehört“, sagt er. Rami schickt alle Unterlagen per Mail und per Post. Auch telefonisch kann er das Amt nicht erreichen.

Kein Aufenthalt, keine Arbeitserlaubnis

Rami arbeitet an einer Tankstelle, aber Anfang April läuft sein Aufenthaltstitel ab und damit auch seine Arbeitserlaubnis. Sein Chef kann ihn nicht weiter beschäftigen. Keinen Aufenthaltstitel zu haben bedeutet, dass man sich vom einen auf den anderen Tag in Deutschland illegal aufhält.

Rami auf dem Balkon seiner Wohnung in Köln.

Mitte August hat Rami eine sogenannte Fiktionsbescheinigung bekommen, eine Art Nachweis das über seine Aufenthaltserlaubnis noch nicht entschieden worden ist. Die Stadt schreibt uns: „Ohne die konkreten persönlichen Angaben zu kennen: Natürlich war und ist kein*e Antragsteller*in „illegal“. Diese Ängste waren und sind völlig unbegründet. Eine bisherige Ausweiskarte und zusätzlich eine Fiktionsbescheinigung bestätigen dies auch gegenüber einem Arbeitgeber.“

Flüchtlingsrat fordert mehr Personal

Der Kölner Flüchtlingsrat betreut viele Geflüchtete. Rami ist kein Einzelfall, weiß Geschäftsführer Claus-Ulrich Prölß. „Die Menschen bekommen über Monate keine Antwort. Das führt dann dazu, dass Aufenthaltspapiere nicht rechtzeitig verlängert werden. Mit der Folge, dass Menschen ihren Ausbildungsplatz, ihren Arbeitsplatz verlieren und dass sie keine Sozialhilfe mehr bekommen.

Für den Flüchtlingsrat ist ganz klar: Es braucht mehr Personal in den Bezirks-Ausländerämtern, um den Rückstau an Anträgen abzuarbeiten.

Stadt will Rückstau schnell anpacken

Die Stadt hat das Personal schon aufgestockt, aber aufgrund der Corona-Pandemie kam es zu Zugangsbeschränkungen zu städtischen Gebäuden von März 2020 bis Juni 2021.

Abläufe der Ausländerämter mussten umgestellt werden, aber nicht alle Aufgaben konnten schriftlich ohne persönliches Erscheinen erledigt werden. „Diese mehrere tausend Termine mussten und müssen jetzt nachgeholt werden. Insgesamt hat sich die Beschwerdelage seit September 2021 deutlich verbessert“, sagt die Stadt.

Für Rami hat sich bis jetzt nichts geändert, er wartet immer noch seit Januar auf die Verlängerung seines Aufenthalts. Und darauf, dass er endlich wieder arbeiten kann.

Coronavirus: Fragen zum Aufenthaltstitel | Deutsch-Arabisch 50:43 Min. Verfügbar bis 22.03.2025

Stand: 21.10.2021, 16:42