"Kohle stoppen - Klima schützen" - friedliche Großdemonstration in Bonn

Demonstration zur Klimakonferenz in Bonn

"Kohle stoppen - Klima schützen" - friedliche Großdemonstration in Bonn

  • Klima-Demonstranten marschierten vom Münsterplatz Richtung Konferenzzentrum
  • Protestaktion zwei Tage vor der Weltklimakonferenz in Bonn
  • Tausende Teilnehmer bei Fahrraddemo von Köln nach Bonn

Friedlich, bunt und vor allem international war die Menschenmenge, die sich am Samstagvormittag (04.11.2017) auf dem Münsterplatz in der Bonner Innenstadt versammelte, um von da aus Richtung Konferenzzentrum zu ziehen, wo am Montag die Weltklimakonferenz beginnt. Mehr als 100 Umweltschutz- und Bürgerrechtsorganisationen hatten zu der Kundgebung aufgerufen.

Nach Angaben der Veranstalter waren rund 25.000 Teilnehmer dabei. Musik, Plakate und Luftballons in schwarz und grün sollten auf die notwendige Einhaltung der Klimaschutzziele hinweisen. Transparente trugen Aufschriften wie "Kohle stoppen, Klima retten" oder "Trump: Climate Genocide" (Trump: Klima Genozid).

Demonstration zur Klimakonferenz in Bonn

Angela Merkel als dunkle Rauchwolke

Viele Demonstranten hatten sich rote Linien ins Gesicht gemalt. Blickfang war eine große Erdkugel von Greenpeace, auf der Kohlekraftwerke eine dunkelgraue Wolke ausstoßen, die aussieht wie das Gesicht von Kanzlerin Angela Merkel. Darunter die Forderung: "Raus aus der Kohle, Frau Merkel!"

Demonstranten auch aus dem Ausland

So international wie die bevorstehende Klimakonferenz war auch das Demopublikum: Nicht nur aus Frankreich und den Niederlanden waren Demonstranten angereist. Viele Teilnehmer kamen aus afrikanischen Ländern, aus Neuseeland, Mexiko oder auch den Südseestaaten. In traditionelle Kleidung gehüllt, machten sie auf ihre ganz persönliche Bedrohung durch den Klimawandel aufmerksam: Ein steigender Meeresspiegel sorgt in südlichen Meeren für verheerende Überflutungen ganzer Inseln.

Die Demo endete Nachmittag mit einer Kundgebung nahe dem Kongresszentrum, wo sich ab Montag (06.11.2017) zur Weltklimakonferenz Vertreter aus knapp 200 Ländern treffen.

Klima-Demo in Bonn: Ruhig, aber rappelvoll

Von Andreas Sträter

25.000 Menschen protestierten nach Angaben der Veranstalter in Bonn für Klimagerechtigkeit. Einige sind dafür um die halbe Welt geflogen. Eindrücke von der Demonstration.

Demonstration zur Klimakonferenz in Bonn

Zwei Tage vor Beginn der Weltklimakonferenz haben am Samstag (04.11.2017) in Bonn nach Angaben der Veranstalter 25.000 Menschen für den Klimaschutz demonstriert. Unter anderem hatten die Organisationen Germanwatch, BUND, WWF, Greenpeace, Oxfam, Brot für die Welt und Misereor zur Beteiligung aufgerufen. Der Auftakt auf dem Münsterplatz verlief friedlich. Entlang der Demonstrationsstrecke Richtung Konferenzzentrum kam es nach Angaben der Polizei zu großflächigen Beeinträchtigungen des Verkehrs, die Willy-Brandt-Allee musste zum Teil gesperrt werden.

Zwei Tage vor Beginn der Weltklimakonferenz haben am Samstag (04.11.2017) in Bonn nach Angaben der Veranstalter 25.000 Menschen für den Klimaschutz demonstriert. Unter anderem hatten die Organisationen Germanwatch, BUND, WWF, Greenpeace, Oxfam, Brot für die Welt und Misereor zur Beteiligung aufgerufen. Der Auftakt auf dem Münsterplatz verlief friedlich. Entlang der Demonstrationsstrecke Richtung Konferenzzentrum kam es nach Angaben der Polizei zu großflächigen Beeinträchtigungen des Verkehrs, die Willy-Brandt-Allee musste zum Teil gesperrt werden.

Auch die Raddemo von Köln nach Bonn verlief weitgehend friedlich. Allerdings hatten fünf Protestler vor der Kundgebung versucht, mit ihren Rädern auf die Autobahn 555 zu fahren. Die Polizei hinderte sie und sicherte die Auffahrten mit Streifenwagen.

Die Demo in der Innenstadt von Bonn stand unter dem Motto "Klima schützen – Kohle stoppen". Dazu waren nicht nur Demonstrierende aus Bonn, dem Rheinland und aus ganz Deutschland gekommen, sondern auch Teilnehmende aus Mexiko, Neuseeland oder aus der Südsee.

Der vom Untergang bedrohte Inselstaat Fidschi leitet die bevorstehende Weltklimakonferenz. "Die Menschen im Südpazifik bangen um ihre Dörfer und spüren den Klimawandel jeden Tag", sagte Brianna Fruean aus Samoa. Sie ist Teil einer größeren Delegation der Südpazifik-Staaten.

Mit ihr demonstrierten Menschen unter anderem aus Tuvalu, Fidschi und Vanuatu. Ihre Perspektive auf den Klimawandel ist anders als der westliche Blick: "In unserem Teil der Welt gibt es keine Protestkultur, die muss sich erst noch entwickeln", sagte die Samoanerin Brianna Fruean. Die Menschen wollten vor allem friedlich miteinander leben. Überflutungen und Unwetter allerdings bedrohten das Paradies auf der anderen Seite der Welt.

Walter und Heidrun Heuzeroth waren aus Siegen angereist, um in Bonn für mehr Klimagerechtigkeit zu demonstrieren. "Auf solchen Demos sind wir Dauergäste", sagte Walter Heuzeroth: "Die Politik beschließt ja viel, auch viel Gutes – aber wir müssen dafür sorgen, dass diese Beschlüsse auch umgesetzt werden." Die beiden wollen sich vor allem dafür einsetzen, dass der Kohleabbau gestoppt wird.

Gustav von Blankenburg (rechts) kämpft mit seiner Gruppe "Fossil Free Münster" dafür, dass öffentliche Institutionen keine energieschädlichen Vorhaben unterstützten. Der junge Münsteraner hofft, dass von Bonn aus auch ein Signal für die Sondierungen zur Regierungskoalition in Berlin ausgeht.

Leonie und Benjamin setzen auf vegane Ernährung, um das Klima zu schützen. "Jeder Einzelne kann etwas verändern", sagte Leonie. Sie sei froh, dass so viele Menschen nach Bonn gekommen sind, um ein Zeichen zu setzen.

"Gerade wir in Afrika leiden unter der Klimaveränderung", sagte Raja Famau (Dritte von rechts) aus Kenia. Sie gehört zu einer Delegation afrikanischer Länder. "Nicht umsonst gibt es den Begriff Klimaflüchtlinge", ergänzte sie. Trockenperioden und Überflutungen führten zu unbeständigen Erträgen in der Landwirtschaft und erschwerten vielen Menschen das Leben.

Gemeinsam liefen die Demonstranten durch Bonn in Richtung Konferenzzentrum, wo ab Montag (06.11.2017) die Weltklimakonferenz stattfinden wird.

Bei der Abschlusskundgebung an der Genscherallee/Ecke Willy-Brandt-Allee bildeten Luftballons die zentrale Forderung der internationalen Demo durch Bonn: "End Coal".

Die Weltklimakonferenz in Bonn wird die größte zwischenstaatliche Konferenz sein, die es je auf deutschem Boden gegeben hat. 25.000 Menschen aus 197 Ländern treffen sich bis zum 17. November in der einstigen Bundeshauptstadt, um den Kampf gegen den Klimawandel voranzutreiben.

Protestler per Fahrrad von Köln nach Bonn

Fahrradfahrer bei der Demonstration zur Klimakonferenz in Bonn

Per Fahrrad zur Klimaschutzdemo

Von Köln aus hatten sich nach Angaben der Veranstalter mehr als 3000 Fahrradfahrer auf den Weg nach Bonn gemacht. Sie forderten eine Wende in der Verkehrspolitik. Dazu gehöre ein klares Datum für den Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor.

Nach Polizeiangaben versuchten fünf Radfahrer, in Köln auf die Autobahn 555 zu kommen. Sie wurden von der Polizei davon abgehalten. Sämtliche Auffahrten auf die A555 wurden danach durch Streifenwagen gesichert.

"Deutschland verfehlt Klimaziel"

Umweltorganisationen wie BUND, WWF, NABU, Germanwatch und andere wollen mit ihrer Demonstration deutlich mit dem Finger auf Deutschland und auf das Thema Kohleausstieg zeigen.

Zwei Frauen verkleiden sich als blaue Avatar-Charaktere

Polizei erwartet friedliche Demonstranten

Greenpeace-Klimaexperte Karsten Smid sagte, der Klimaschutz sei die "erste Bewährungsprobe" der künftigen Bundesregierung. "Die ganze Welt schaut auf Bonn und sieht, dass ausgerechnet der Gastgeber der Klimakonferenz dabei ist, sein eigenes Ziel meilenweit zu verfehlen", kritisierte Smid.

Kritik an Kanzlerin Merkel kam auch von dem Oxfam-Experten Jan Kowalzig. "Ausgerechnet zur Bonner Weltklimakonferenz muss die Bundesregierung kleinlaut ihr klimapolitisches Versagen einräumen", sagte er. Das Ziel, die Treibhausgasemissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren, werde "krachend verfehlt".

Nach der Demo ist vor der Demo

Nach der Abschlusskundgebung am Samstag stehen allerdings auch schon die nächsten Demonstranten in den Startlöchern. Denn während der zwölftägigen Weltklimakonferenz wird es weitere Demos geben. Unter anderem gleich am Montag, dem ersten Konferenztag, wollen rund 1.000 Schüler unter dem Motto "Kids for earth" auf die Straße gehen.

Hinweis der Redaktion: in einer früheren Version des Artikels wurde eine niedrigere Zahl der Teilnehmer genannt. Nach Angaben der Veranstalter waren rund 25.000 Demonstranten in Bonn und mehr als 3000 Radfahrer unterwegs.

Stand: 09.11.2017, 16:23