Tod bei Klassenfahrt: Aufklärung im Fall Emily verzögert sich weiter

Tod bei Klassenfahrt: Aufklärung im Fall Emily verzögert sich wegen Corona weiter

Tod bei Klassenfahrt: Aufklärung im Fall Emily verzögert sich weiter

Von Franziska Jünger

  • Diabeteskranke Schülerin stirbt bei Klassenfahrt
  • Vorwurf: Lehrer sollen sich nicht gekümmert haben
  • Ermittlungen stocken, weil ärztliches Gutachten fehlt

Es vergeht kein Tag, an dem Kay Schierwagen das Grab seiner Tochter nicht besucht. Seit mehr als einem Jahr kommt er täglich zu dem kleinen Friedhof in Mönchengladbach Holt. "Es ist nichts mehr so wie es einmal war. Es vergeht keine Minute, keine Sekunde, in der ich nicht an Emily denke. Sie fehlt“, erzählte Schierwagen am Donnerstag (02.02.2020) im WDR-Interview.

Tod bei Klassenfahrt: Aufklärung im Fall Emily verzögert sich wegen Corona weiter

Tränen blitzen in seinen Augen, wenn der Vater an den Tag zurückdenkt, an dem er vom Tod seiner damals 13-jährigen Tochter erfuhr. Sie starb bei einer Klassenfahrt in London. Seitdem kämpft er um Aufklärung – und die ist langwierig. Er erstattete Anzeige gegen die Lehrer, die sich nicht rechtzeitig um die Diabetikerin gekümmert haben sollen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen sie wegen des Verdachts auf fahrlässige Tötung.

Medizinisches Gutachten fehlt

Ein ärztliches Gutachten soll den Fall auf Basis der Krankenunterlagen aus Deutschland und Großbritannien klären. Bis dahin müssen auch die Lehrer nicht aussagen. Das Problem: Das Gutachten sollte eigentlich bereits im Mai vorliegen und verzögert sich seit Wochen.

"Es bremst aus, dieses Ungewisse. Es sollte ja schon längst fertig sein. Durch Corona wird jetzt alles nach hinten verschoben. Der Anwalt meinte, dass das keine Fristsache ist und dadurch wird das immer weiter nach hinten geschoben." Die zuständige Staatsanwältin Simone Braan geht davon aus, dass das Gutachten jetzt aber bald vorliegt: "Aufgrund der Corona-Pandemie war die sachverständige Ärztin beruflich stark eingebunden, sodass es zu einer Verzögerung kam. Das Gutachten wird aber voraussichtlich noch in diesem Monat fertig gestellt."

Für Vater Kay Schierwagen ist jeder weitere Tag des Wartens auf Antworten eine Qual: "Ich kann keinen richtigen Abschluss finden, den werde ich wahrscheinlich nie finden."

Was genau war passiert?

Kurz vor den Sommerferien 2019 machten sich insgesamt 80 Schüler mit vier Lehrern von Mönchengladbach aus auf für eine Klassenfahrt nach London. Mit dabei war auch Emily, die sich schon lange auf die Reise gefreut hatte. Doch schon am ersten Tag der Reise soll ihr schlecht geworden sein.

Das zuckerkranke Mädchen habe sich mehrfach übergeben und sei schließlich auf ihrem Bett liegend nicht mehr ansprechbar gewesen - so haben es die Mitschüler dem Vater später erzählt. Die Lehrer hätten sich nicht um Emily gekümmert. Erst eineinhalb Tage später soll eine Lehrerin nach Emily geschaut und einen Krankenwagen gerufen haben.

Ungewisse Stunden

Das Holzkreuz über Emilys Grab

Als der Vater davon erfuhr, hat er sich sofort nach London aufgemacht. Es folgten Stunden der Ungewissheit. Das Gespräch mit dem zuständigen Arzt beruhigte ihn dann aber. Seine Tochter sei mit einem stark erhöhten Blutzuckerwert eingeliefert worden, könnte nach zwei Tagen aber wieder nach Hause, hieß es. Kay Schierwagen fuhr daraufhin zurück nach Deutschland. Am nächsten Tag dann der furchtbare Anruf: Emily ist tot. Mutmaßliche Todesursache war ein Herzinfarkt.

Stand: 02.07.2020, 17:07