Kölner Gericht sieht Recht auf Selbsttötung bei Schwerkranken

Verwaltungsgericht Köln

Kölner Gericht sieht Recht auf Selbsttötung bei Schwerkranken

  • Betroffene sehen geltendes Recht missachtet
  • Kölner Richter bestätigen Missachtung
  • Verwaltungsgericht verweist den Fall an das Bundesverfassungsgericht

Die Richter des Kölner Verwaltungsgerichts sind der Auffassung, dass es schwer kranken Menschen in Ausnahmefällen möglich sein soll, ein tödliches Medikament zur Selbsttötung zu erwerben. Allerdings sahen die Richter in Köln am Dienstag (19.11.2019) keine Handhabe, dies durch eine verfassungskonforme Auslegung zu ermöglichen.

Die Kläger sind unheilbar krank. Einige von ihnen sind zudem auf Hilfe im Alltag angewiesen. Deshalb wollten sie erreichen, dass sie Zugang zu einem Betäubungsmittel mit dem Namen Natrium-Pentobarbital bekommen. Nach Einnahme dieses Mittels schlafen die Patienten ein, ihre Atemwege werden gelähmt und schließlich sterben sie.

Kölner Verwaltungsgericht sieht Recht auf Selbsttötung mit Betäubungsmitteln

Die Kölner Verwaltungsrichter sehen das generelle Verbot des Erwerbs von Betäubungsmitteln zur Selbsttötung nicht mit dem Grundgesetz vereinbar und verweisen auf die gravierenden Erkrankungen der Kläger und ihrer existentiellen Notlage. Die staatliche Schutzpflicht für das Leben könne in begründeten Einzelfällen hinter das Recht des Einzelnen auf einen frei verantworteten Suizid zurücktreten.

Bundesverfassungsericht angerufen

Ein solches Mittel bekommen zu können, verstoße in Ausnahmefällen nicht gegen das Grundgesetz, entschieden am Dienstag (19.11.2019) die Kölner Richter. Dennoch verwiesen sie die Klagen an das Bundesverfassungsgericht nach Karlsruhe. Dort soll nun überprüft werden, ob das Betäubungsmittelgesetz mit der Verfassung übereinstimmt.

Haben Sie Suizidgedanken? Hier gibt es Hilfe

Frau am Schreibtisch mit Computermonitor

Wer sich mit Suizidgedanken trägt, empfindet seine persönliche Lebenssituation als ausweglos. Doch es gibt eine Fülle an Angeboten zur Hilfe und Selbsthilfe, auch anonym.

Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist unter den Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 sowie 116 123 rund um die Uhr erreichbar. Sie berät kostenfrei und in jeder Hinsicht anonym. Der Anruf hier findet sich weder auf Ihrer Telefonrechnung noch im Einzelverbindungsnachweis wieder.

Menschen muslimischen Glaubens können sich an das muslimische Seelsorgetelefon wenden. Es ist ebenfalls kostenfrei und anonym 24 Stunden am Tag unter der Rufnummer 030/44 35 09 821 zu erreichen.

Chat der Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge bietet Betroffenen auch die Möglichkeit an, sich Hilfe per Chat zu holen. Dazu meldet man sich auf deren Webseite an.

E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge

Menschen mit Suizidgedanken können sich auch an die E-Mail-Beratung der Telefonseelsorge wenden. Der E-Mail-Verkehr läuft über die Webseite der Telefonseelsorge und ist deshalb nicht in Ihren digitalen Postfächern zu finden.

Überblick auf Hilfsangebote

Darüber hinaus hat die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention (DGS) zahlreiche Informationen zu Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen und sozialpsychiatrischen Diensten aufgelistet, an die sich Suizidgefährdete und Angehörige wenden können, um Hilfe zu erhalten. Entsprechende Informationen finden Sie unter nachfolgendem Link.

Suizidprävention braucht Ansprechpartner rund um die Uhr

WDR 5 Quarks - Topthemen aus der Wissenschaft 10.09.2019 06:18 Min. Verfügbar bis 09.09.2024 WDR 5

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Stand: 19.11.2019, 17:09