Vorschulkinder in der Kita: "Das war ja kein Abschied, das war ja nichts"

Vorschulkinder in der Kita: "Das war ja kein Abschied, das war ja nichts"

  • Vorschulkinder wieder zurück
  • Viel Freude, aber auch viel Kritik
  • Enormer Aufwand für die Kitas

"Komm schon, Mama, mach schnell." Julian Timmerbeil kann es kaum abwarten. Der Sechsjährige strahlt und hüpft an der Hand seiner Mama den Weg zu seiner Kita entlang.

Kindertagesstätte

Julian - auf dem Weg zurück in die Kita

An dem Türchen zur Kita hängt ein Willkommenschild: "Schön, dass ihr wieder da seid". Von seiner Mama verabschiedet sich Julian nicht, als er seinem Freund um den Hals fällt.

Nach elf Wochen durften die Vorschulkinder am Donnerstag (28.05.2020) wieder in die Kita zurück. Obwohl sich Erzieher und Kinder vermisst haben, läuft der Betrieb nicht unbeschwert; die Hygieneauflagen sind groß.

Für Kita-Leiter auch belastend

Ariane Timmerbeil hat den letzten Kita-Tag noch genau im Kopf. "Wir durften nur noch einmal kommen, die Wäsche in einem Sack abholen.Julian ist noch einmal auf den Kletterbaum geklettert und das war’s dann."

Sven Loos

Kita-Leiter Sven Loos

Auch für den Kita-Leiter Sven Loos war das nicht einfach. "Wir sind da von jetzt auf gleich rausgerissen worden. Das war kein Abschied, das war nichts", sagt er.

Kita hat den Kontakt gehalten

In den vergangenen elf Wochen lief die Kita Windvogel in Remscheid nur im Notbetrieb. Trotzdem haben alle Erzieher versucht, den Kontakt zu den Eltern zu halten.

Zu Ostern gab es eine Überraschung für jedes Kind, Videoanrufe und Briefe trudelten auch regelmäßig ein. Trotzdem – das, was Vorschulkinder sonst in der Kita machen, fiel komplett weg.

Viel "Vorschularbeit" daheim

Eva Brenkötter hat deshalb viel "Vorschularbeit" zuhause gemacht. Feinmotorik, Buchstaben erkennen, Rechnen – Sohn Luka hatte dazu nicht immer Lust. Und auch heute ziert er sich.

Er traut sich nicht direkt in den Gruppenraum, bleibt sicherheitshalber erst mal bei seiner Mutter. "Für ihn ist es komisch, dass alle Masken tragen", sagt sie. "Aber er taut gleich schon auf."

Freude überwiegt

Die Regeln in der Kita sind streng. Masken, Abstand halten, kein Herumlaufen auf dem Flur, nicht die Gruppenräume wechseln, Spielzeuge desinfizieren – der Aufwand ist enorm.

Das Kind Julian freut sich.

Vorfreude bei Julian

Auch dürfen Kinder nicht in die Kita, wenn sie oder Geschwisterkinder krank werden – selbst beim kleinsten Schnupfen oder Fieber. Sven Loos: "Das macht es nicht leicht, aber wir versuchen, dass die Kinder das ganze Drumherum gar nicht so mitbekommen." In den Arm genommen werden die Kleinen trotzdem.

Heute aber überwiegt die Freude. Julian und sein Freund Leo sind mit einer Kiste Rennautos in einer Ecke verschwunden. Die sind nämlich neu. "Boh, voll gut! Da können wir jetzt noch voll lange mit spielen", sagt Julian. Um genau zu sein: die nächsten vier Wochen.

Stand: 28.05.2020, 20:33