Getötete Greta aus Viersen: Erzieherin vor Gericht

Getötete Greta aus Viersen: Erzieherin vor Gericht

Im Prozess um ein totes dreijährigen Kita-Kind in Viersen will die angeklagte Erzieherin heute Aussagen zu ihrer Person machen. Ihre Anwälte wollen sich außerdem zur Tat äußern.

Vor dem Mönchengladbacher Landgericht wurde am Dienstag die Anklage verlesen. Der 25-Jährigen werden der Mord an der dreijährigen Greta in Viersen und die Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen.

Erzieherin soll schon andere Kinder in Lebensgefahr gebracht haben

Als der Prozess startete, verbarg die Erzieherin ihr völlig verweintes Gesicht hinter einer Aktenmappe - auch vor der anwesenden Mutter der toten Greta. Im Saal hatten sich unterdessen weitere Details herumgesprochen: Die Frau soll ein makaberes Hobby gehabt und gern Grabreden für kleine Kinder geschrieben haben.

Die Misshandlung soll kein Einzelfall gewesen sein. Schon vor dem Fall in Viersen soll sie drei anderen Kindern in Kitas in Krefeld, Kempen und Tönisvorst in acht Fällen den Brustkorb zusammengedrückt und sie damit in Lebensgefahr gebracht haben.

Ärzte schöpften Verdacht

Erst Klinikärzte brachten den Fall Greta ins Rollen. Sie fanden keine Erklärung für die schweren Hirnschäden, die Greta bei dem Atemstillstand erlitten hatte. Dann entdeckte ein Rechtsmediziner bei Greta Einblutungen, die auf eine Gewalteinwirkung hindeuteten. Die Klinik verständigte Ende April die Polizei.

Greta starb zwei Wochen nach Vorfall

Das Mädchen starb am 4. Mai, einen Tag nach ihrem dritten Geburtstag. Die angeklagte Erzieherin sei schnell ins Visier der Ermittler geraten, erklärte Guido Roßkamp, Leiter der Mordkommission in Mönchengladbach nach der Festnahme der Frau.

Auf drei Steinen sind eine Blume, ein Herz und ein Engel mit bunter Farbe gemahlt.

Im Fall Greta habe keine andere Person die Kita zum Tatzeitpunkt betreten können, sagt Guido Roßkamp, Leiter der Mordkommission. Und: Greta war an jenem 21. April das einzige Kind in der Notbetreuung und zum Mittagsschlaf ins Bett gebracht worden. Laut der angeklagten Erzieherin habe Greta einfach so aufgehört zu atmen.

Angeklagte hatte vernichtende Job-Beurteilungen

Der Fall hatte für Fassungslosigkeit gesorgt. Denn die 25-jährige Angeklagte konnte trotz vernichtender Beurteilungen und schlechter Zeugnisse nach der Ausbildung als Erzieherin arbeiten.

Todesfall in Kita – Wie konnte das passieren?

WDR 5 Morgenecho - Interview 30.05.2020 05:12 Min. Verfügbar bis 30.05.2021 WDR 5


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Schon während ihres Anerkennungsjahres in einer Kita in Krefeld war die Frau negativ aufgefallen. Sie soll nicht in der Lage gewesen sein, eine Beziehung zu den Kindern aufzubauen, sagte Mönchengladbachs Kriminaldirektor Manfred Joch Ende Mai.

Andere Vorfälle wurden Behörden nicht gemeldet

Doch die 25-Jährige machte weiter und wurde vor ihrer Zeit in Viersen von Kitas in Krefeld, Kempen und Tönisvorst eingestellt. Während ihrer Arbeitszeit waren ebenfalls drei Kleinkinder in acht Fällen mit zum Teil lebensbedrohlichen Atemstillständen in Kliniken eingeliefert worden, so Ermittlungsleiter Guido Roßkamp.

Gemeldet wurden die Vorfälle den Behörden aber nicht. Man habe die Ursache immer im klinischen Bereich gesucht und die Fälle nicht mit der Erzieherin in Verbindung gebracht, sagt Roßkamp.

Das Landesjugendamt habe inzwischen auf den Fall reagiert, so dessen Leiter Lorenz Bahr. Einrichtungen sollten von jetzt an auch Rettungswagen-Einsätze melden, so dass sich das Jugendamt die Fälle genauer anschauen könne.

Das Motiv für die Taten ist unklar. Die angeklagte Erzieherin sitzt seit Ende Mai in Untersuchungshaft und hat sich bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert. Ihr droht bei einer Verurteilung lebenslange Haft.

Für den Prozess sind bis Anfang März noch 19 weitere Verhandlungstage angesetzt.

Stand: 19.11.2020, 07:20