Mordverdacht gegen Erzieherin: Verdachtsfälle in früheren Kitas

Zwei Stofftiere und Kerzen liegen vor dem Eingang einer Kindertagesstätte in Viersen.

Mordverdacht gegen Erzieherin: Verdachtsfälle in früheren Kitas

  • Dreijährige in Kita getötet: Erzieherin unter Mordverdacht
  • Ermittler: Es gab schon vorher Vorfälle in anderen Kitas
  • Frühe Zweifel an Eignung der Frau

Bei den Ermittlungen zum mutmaßlichen Mord in einer Kita in Viersen sind schockierende neue Erkenntnisse aufgekommen. So sind die Behörden auf weitere Vorfälle in drei früheren Kindergärten der 25 Jahre alten Erzieherin gestoßen. Die junge Frau soll im April eine Dreijährige so schwer verletzt haben, dass das Mädchen einen Atemstillstand erlitt und Anfang Mai im Krankenhaus starb – einen Tag nach ihrem Geburtstag.

Auffälligkeiten bei früheren Arbeitgebern

Bei den Ermittlungen dazu wurden nun auch die früheren Kita-Jobs der Erzieherin unter die Lupe genommen. "Wir mussten feststellen, dass es dort ähnliche Vorfälle gegeben hat", sagte Manfred Joch, Leiter der Direktion Kriminalität der Polizei Mönchengladbach am Donnerstag (28.05.2020). In drei anderen Kitas, in denen die Frau zuvor gearbeitet hat, soll es auch Auffälligkeiten gegeben haben.

Die Ermittler gehen unter anderem von einem Übergriff auf ein Kind in einer Kita in Tönisvorst aus. Dort hatte ein knapp zweijähriges Mädchen an einer Wickelstation ebenfalls einen Atemstillstand. Das Kind soll laut Polizei anschließend ausgesagt haben, die Erzieherin habe ihm auf den Bauch gedrückt.

Mädchen in Kita gestorben: Erzieherin unter Mordverdacht

WDR 5 Morgenecho - Beiträge 29.05.2020 05:23 Min. Verfügbar bis 29.05.2021 WDR 5 Von WDR5

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Weitere fünf Übergriffe auf ein Kind soll es in Krefeld gegeben haben, noch mal vier auf ein Kind in einer Einrichtung in Kempen. In beiden Kitas stehen die Ermittlungen noch am Anfang. Denn keiner der Vorfälle war der Polizei gemeldet worden. Gegen die Frau habe es keine Beschwerden gegeben, auch nicht von Eltern. Die Kita in Viersen habe sie von sich aus Mitte April verlassen, um einen neuen Job anzutreten.

Die Staatsanwaltschaft spricht in Verbindungen mit den möglichen Taten von Heimtücke, weil Kinder arg- und wehrlos sind. Die Erzieherin schweigt und verweigert die Aussage.

Frühere Zweifel an Eignung als Erzieherin

Offenbar gab es schon sehr früh Zweifel an der Eignung der Frau. Bei ihrem Anerkennungsjahr ab August 2017 in einer Krefelder Einrichtung merkte man den Angaben der Polizei nach schon in den ersten Tagen, dass das der falsche Job für die Frau war: keine Empathie, kein Zugang zu Kindern, keine Fähigkeit, Grenzen aufzuzeigen. Am Ende bekam sie es dann schriftlich: "wenig geeignet" stand in der Bewertung. Trotzdem machte sie am Ende ihre Prüfung zur staatlich geprüften Erzieherin.

Ermittlungen wegen Vortäuschens einer Straftat

Im vergangenen Jahr soll sie bei der Polizei angegeben haben, Opfer eines Verbrechens geworden zu sein. Ein Gerichtsmediziner habe anschließend festgestellt, dass sie sich Ritzverletzungen selbst zugefügt habe. Es kam zu Ermittlungen wegen des Vortäuschens einer Straftat. Diese wurden wegen geriner Schuld eingestellt. Damals wurde ihr geraten, sich psychologisch behandeln zu lassen.

Stand: 29.05.2020, 15:47