Mordverdacht in Kita beschäftigt Landtag

Mordverdacht in Kita beschäftigt Landtag

  • Neue Erkenntnisse zum Mordverdacht gegen Erzieherin sorgen für Fassungslosigkeit
  • SPD beantragt Sondersitzung im Landtag
  • Kinderschutzbund fordert Personalakten für Kita-Personal

Im Fall der Erzieherin, die in Viersen ein dreijähriges Kita-Kind ermordet haben soll, hat die SPD-Fraktion eine Sondersitzung im Landtag beantragt, die am Donnerstag (04.06.2020) stattfinden soll. "Wenn sich herausstellt, dass unsere Gesetze den Tod des Mädchens begünstigt haben, dann müssen wir auch hier zu Veränderungen kommen", sagte der SPD-Abgeordnete Dennis Maelzer am Freitag.

Am Donnerstag (29.05.2020) hatten Polizei und Staatsanwaltschaft Details zu dem Mordverdacht präsentiert. Außerdem wurde bekannt, dass es sich möglicherweise nicht um einen Einzelfall handeln soll. Die 25-Jährige könnte sogar für eine Serie weiterer Gewalttaten bei früheren Kita-Jobs verantwortlich sein.

Kinderschutzbund-Chef fordert Personalakten

Der Präsident des Deutschen Kinderschutzbundes, Heinz Hilgers, ist fassungslos. "Ein vergleichbarer Verdacht ist mir bis jetzt nicht bekannt geworden in mehr als 40 Jahren", sagte er am Freitag im WDR.

Heinz Hilgers

Heinz Hilgers verweist auf Personalnot in Kitas

Bei der Frage nach möglichen Fehlern im System verweist Hilgers auf die Personalnot in Kitas. Die könnte dazu führen, dass bei Bewerbungen nicht so sehr auf die Beurteilungen von Ex-Arbeitgebern geschaut werde. "Es ist zu befürchten, dass sich diejenigen, die eine Kindertagesstätte tragen, über jede Bewerbung so freuen, dass man vielleicht nicht mehr sorgfältig nachfragt." Hilgers schlägt vor, dass künftig Personalakten vorheriger Arbeitgeber vorgelegt werden.

"Personalakten von Erziehern bei Stellenwechsel mitgeben"

WDR 5 Morgenecho - Interview 29.05.2020 06:32 Min. Verfügbar bis 22.05.2021 WDR 5

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Datenschutz lockern

Auch die Viersener Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD) sieht Handlungsbedarf. So sei es bislang üblich, dass bei Bewerbungen keine alten Arbeitszeugnisse vorgelegt werden.

Wichtig bei einer Bewerbung sei ein erweitertes Führungszeugnis und ein Beleg über die Ausbildung als staatlich anerkannte Erzieherin. Wenn es aber schon während der Ausbildung zu Auffälligkeiten komme, "dann muss das dokumentiert werden". Anemüller spricht sich dafür aus, dass an dieser Stelle der Datenschutz gelockert wird.

Arbeitszeugnisse ohne Aussagekraft

Ein Austausch zwischen Kitas verbietet auch das deutsche Arbeitsrecht, erläuterte Waltraud Weegmann, Vorsitzende des Deutschen Kita-Verbandes, gegenüber dem WDR. Selbst bei mangelnder Empathie gelte: "Sie dürfen nicht einmal im Zeugnis etwas erwähnen, das auch nur ansatzweise in diese Richtung geht. Deshalb sind letztendlich alle Zeugnisse Makulatur", so Weegmann. Unter der Hand dürften sich die Einrichtungen aus rechtlichen Gründen nicht austauschen.

Familienministerium will umfassende Aufklärung

Das NRW-Familienministerium prüft mittlerweile, ob Warnzeichen ignoriert wurden. So wurde ein Bericht beim zuständigen Landesjugendamt angefordert - unter anderem zur Frage, ob tatsächlich bei den früheren Vorfällen keine Anzeigen erstattet wurden.

"Sollten sich die schrecklichen Vorwürfe bewahrheiten, muss auch im Detail vor Ort der Frage nachgegangen werden, ob ernsthafte Frühwarnzeichen ignoriert wurden und ob die Vorfälle dem zuständigen Jugendamt nicht gemeldet und keine Anzeigen erstattet wurden", teilte das Ministerium mit.

Stand: 29.05.2020, 17:31