Die übergroße Mosesfigur auf dem Düsseldorfer Marktplatz.

Düsseldorf will Evangelischen Kirchentag unterstützen - und bekommt Gegenwind

Stand: 24.06.2022, 08:52 Uhr

Städtisches Geld für religiöse Veranstaltung? Der Düsseldorfer Stadtrat hat am Donnerstagnachmittag dafür gestimmt, den Evangelische Kirchentag mit mehreren Millionen Euro zu unterstützen. 2027 soll er in Düsseldorf stattfinden. Im Vorfeld hatte es eine emotionale Debatte darüber gegeben.

Kritiker argumentieren vor allem, dass für eine religiöse Veranstaltung keine Steuergelder fließen sollten. Außerdem sollte die Trennung von Staat und Kirche weiter vorangetrieben werden. Am Dienstag hatten die Kritiker eine Protestaktion veranstaltet.

Bürgerbegehren gegen städtische Zuschüsse in Vorbereitung

Ein Aktionsbündnis will jetzt ein Bürgerbegehren dagegen starten, sagte ein Sprecher dem WDR, voraussichtlich im kommenden Jahr. In den nächsten Monaten wolle man Gespräche mit Institutionen und Geschäftsleuten in Düsseldorf führen.

Auch eine Infoveranstaltung über Kosten und Nutzen des Kirchentags soll vorbereitet werden. Das Bündnis prangert seit langem die staatliche Förderung der Kirchentage an. Es wird getragen von der religionskritischen Giordano-Bruno-Stiftung.

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Befürworter betonten die Rolle des Kirchentags als Forum für den interreligiösen Dialog – auch über Glaubensgemeinschaften hinaus mit vielen Teilen der Gesellschaft. Der Evangelische Kirchentag 2027 biete außerdem die Möglichkeit, die Stadt als tolerante und weltoffene Gastgeberin zu präsentieren.

Kirchentag will Dialog mit Stadt und Gesellschaft

Stephan Menzel, der Finanzvorstand des Evangelischen Kirchentags, verteidigt die finanzielle Unterstützung mit Steuergeldern. Würden nur Geld der Kirche fließen, dann sei die Veranstaltung "binnenkirchlich". "Genau das wollen wir nicht. Wir wollen in die Breite der Gesellschaft. Wir haben uns heute auch mit der Stadt unterhalten: Wir wollen in die Stadt rein. Wir wollen den Dialog suchen. Wir wollen die Gesellschaft suchen."

Nach Angaben der Stadt und des Kirchentags steht die Höhe der Zuschüsse fest, es sollen also nicht mit noch höhere Kosten für die Stadt entstehen.

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Der Evangelische Kirchentag in Düsseldorf 2027 soll mit 4,3 Millionen Euro direkt gefördert werden. Darüber will die Stadt aber zum Beispiel auch auf Erträge und Sachleistungen in Höhe von etwa 1,5 Millionen Euro verzichten. Insgesamt beläuft sich die Fördersumme somit auf fast 6 Millionen Euro.

Kirchentagspräsidium entscheidet im Herbst über Durchführung

Nach der Zustimmung des Stadtrats soll das Kirchentagspräsidium nun final im Oktober darüber entscheiden, ob der Evangelische Kirchentag 2027 in Düsseldorf stattfindet. Das gilt aber als Formsache.

Über das Thema berichteten wir auch am 23.06.2022 in der Lokalzeit im WDR-Fernsehen.