Kindesmissbrauch: KI-Technik soll Fahnder entlasten

Kindesmissbrauch: KI-Technik soll Fahnder entlasten

  • Aufwendige Beweissicherung
  • Ermittler überlastet
  • Hilfe durch Technologie

Nach dem massenhaften Fund von kinderpornografischem Material in Bergisch Gladbach müssen die Ermittler in den kommenden Wochen und Monaten eine unglaubliche Menge Beweismaterial auswerten. Nach Polizeiangaben befinden sich auf den beschlagnahmten Rechnern mehrere Terabyte Bild- und Videomaterial, die gesichtet werden müssen. Ein Terabyte entspricht etwa 1.000 Gigabyte.

Ein aktuelles Forschungsprojekt könnte in naher Zukunft dabei helfen, bereits aus anderen Quellen bekanntes und offenbar von den mutmaßlichen Tätern selbst produziertes Material zu erkennen. Dabei werden die Inhalte von Bildern und Videos mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz analysiert. Nach Angaben der Kölner Staatsanwaltschaft vom Donnerstag (31.10.2019) wird die Technik im aktuellen Fall allerdings noch nicht zum Einsatz kommen. Fragen und Antworten.

Welche Probleme gibt es bei Ermittlungen wegen Kinderpornografie?

Die Fahnder sind oft durch die schiere Masse an Beweismitteln überfordert. Meist müssen die Beamten Tausende Dateien sichten, um mögliche Täter und Opfer zu identifizieren und Beweise für die Strafverfolgung zu sichern. Oft geraten die Ermittler in Zeitnot, weil Beweismittel nicht unbegrenzt lange einbehalten werden dürfen.

Nicht zuletzt ist die manuelle Auswertung für die beteiligten Beamten oft psychisch stark belastend.

Wie kann Künstliche Intelligenz den Ermittlern helfen?

Seit 2017 arbeiten die Zentralstelle Cybercrime NRW (ZAC) mit Microsoft und weiteren Experten an einem KI-Forschungsprojekt, das die Auswertung von beschlagnahmten Bild- und Videodateien beschleunigen soll. Die Software kann Gesichter von Tätern und Opfern erkennen sowie bekannte und unbekannte Personen unterscheiden. In naher Zukunft soll die Technologie sicher "normale" Pornographie und verbotene Inhalte mit Kindern und Jugendlichen unterscheiden können.

Derzeit befindet sich das System noch in einer Testphase. Nach Angaben des Justizministeriums vom August sollen aber bis Ende 2020 alle Polizeibehörden im Land ihre Daten direkt an das Landeskriminalamt überspielen.

Strafen bei Kinderpornographie verschärft (am 23.07.1993)

WDR ZeitZeichen 23.07.2018 14:56 Min. Verfügbar bis 20.07.2028 WDR 5

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Wie wird das Material vor unerlaubtem Zugriff geschützt?

Wenn das verdächtige Material für die Computeranalyse an einen externen Großrechner übermittelt wird, darf es unterwegs nicht in falsche Hände geraten. Deshalb wird das Bildmaterial auf den Rechnern der Justiz vor der Übermittlung so stark verfremdet, dass für das menschliche Auge nichts mehr zu erkennen ist.

Die Auswertung des Materials erfolgt dann ausschließlich durch Algorithmen. Ermittler müssen sich nur noch eine automatisiert getroffene Vorauswahl ansehen und dabei prüfen, ob das Material wirklich strafrechtlich relevant ist.

Stand: 31.10.2019, 17:30