Kinderklinik Sankt Augustin droht mit Schließung

Kinderklinik Sankt Augustin

Kinderklinik Sankt Augustin droht mit Schließung

Von Anne Burghard

  • Asklepios beantragt Fördermittel zur Schließung
  • Klinik ohne Kinderherz-Zentrum danach nicht wirtschaftlich
  • Asklepios fordert Zuschüsse, um übrige Abteilungen zu retten

Die Kinderklinik in Sankt Augustin steht möglicherweise vor dem Aus. Nach der Kündigung der Herz-Spezialisten bezweifelt der Betreiber Asklepios die Wirtschaftlichkeit des gesamten Sankt Augustiner Kinderkrankenhauses. Er hat Fördermittel aus dem Strukturfonds des Bundes beantragt, um mit dem Geld eine Schließung des gesamten Kinderkrankenhauses abwickeln zu können.

Teilweise Rettung mit Fördergeldern möglich

Eine Möglichkeit zur Rettung eines Teils der Klinik sieht Asklepios in einem Ersatzantrag: Für den Fall, dass kein Geld zur vollständigen Schließung des Klinik-Standorts bewilligt wird, fordert die Geschäftsführung Fördermittel nur zur Schließung des Kinder-Herz-Zentrums. Damit verbunden ist aber eine weitere Forderung: Asklepios will dann einen Zuschlag zur Sicherung der übrigen Abteilungen des Kinderkrankenhauses. "Wir wollen alles tun, um die Kinderklinik zu retten. Aber wir brauchen Geld vom Land", so der Sankt Augustiner Klinik-Geschäftsführer Dr. Klaus Schmolling.

Keine neuen Herzspezialisten gefunden

Der Hintergrund: Die Chefärzte des Kinder-Herz-Zentrums, sieben weitere Ärzte, der Ärztliche Direktor und ein Großteil des dortigen Pflegepersonals wechseln im Herbst in das Herz-Zentrum der Uniklinik Bonn. Dort wird eine neue Eltern-Kind-Abteilung eröffnet, die direkt an das Herz-Zentrum der Uniklinik angeschlossen ist.

Dem Klinik-Konzern Asklepios ist es bis jetzt nicht gelungen, neue Herzspezialisten zu finden. Und ohne das Herz-Zentrum - sagt Asklepios - sei die übrige Kinderklinik nicht wirtschaftlich zu betreiben. Das Kinderkrankenhaus büße 45 Prozent der Einnahmen ein.

Eltern und Politiker besorgt

Viele Eltern kranker Kinder sind wegen der Schließungsabsichten besorgt. So wie Christian Oschem aus Troisdorf. Sein 13-jähriger Sohn hat die Glasknochen-Krankheit und ist seit vielen Jahren in der Sankt Augustiner Kinderklinik in Behandlung. "Wenn die Klinik dicht macht, müssen wir zu einem anderen Spezialisten fahren - entweder nach Hamburg oder nach Stuttgart", sagt Oschem.

Der Landrat des Rhein-Sieg-Kreises, Sebastian Schuster, hat bereits Termine mit dem NRW-Gesundheitsministerium und mit dem Vorstand von Asklepios vereinbart. Er will versuchen, das Kinderkrankenhaus zu retten.

Antrag noch nicht bewilligt

Das nordrhein-westfälische Gesundheitsministerium bestätigte, dass es Fördermittel gibt, um unwirtschaftliche Krankenhäuser zu schließen. Derzeit finde landesweit ein so genanntes Interessenbekundungsverfahren für diese Förderung statt. Das Antragsverfahren sei aber erst für den Zeitraum Oktober 2019 bis März 2020 vorgesehen. Eine Zusage des Landes für den Antrag der Asklepios Kinderklinik Sankt Augustin könne somit noch gar nicht bestehen, so das NRW-Gesundheitsministerium.

Stand: 02.07.2019, 15:00