Der Reifen eines Autos steht im Vordergrund, während ein weiteres Auto im Hintergrund auf einer Hebebühne platziert ist

Viele Mitarbeiter in Rente: Droht Fachkräftemangel in Kfz-Werkstätten?

Stand: 26.01.2022, 11:43 Uhr

Zuverlässige und fleißige Mitarbeiter, die von der Ausbildung bis zur Rente dem gleichen Unternehmen treu bleiben, gibt es immer seltener.

Von Alina Schreiber

Franz-Josef Zentis ist solch ein Mitarbeiter. Am 17. Juli 1972 begann er im Autohaus Westphal in Eschweiler seine Lehre als Kfz-Mechaniker. Nun geht er nach 50 Jahren in Rente.

"Man geht mit einem weinenden Auge und einem lachenden Auge. Man hat ja viel erlebt in 50 Jahren!" Franz-Josef Zentis
an seinem letzten Arbeitstag als Kfz-Mechaniker
Franz-Josef Zentis steht in einer Kfz-Werkstatt

Franz-Josef Zentis arbeitet seit rund 50 Jahren im Autohaus Westphal in Eschweiler. Nun geht er in den Ruhestand.

Franz-Josef Zentis ist nicht der einzige Mitarbeiter im Autohaus Westphal mit dieser Historie. Denn bis einschließlich 2023 gehen weitere sieben Personen in den Ruhestand, die ähnlich lange dort gearbeitet haben. So sind aus Kollegen richtige Freunde geworden.

Heribert Westphal, Geschäftsführer des Autohauses, beteuert, dass er besonders deren Zuverlässigkeit und Fleiß geschätzt hat. Denn das sei heutzutage nicht mehr selbstverständlich. Es sei immer schwieriger gewissenhafte Mitarbeiter zu bekommen.

Bewerber seien wohl gelegentlich unabgemeldet nicht zu Bewerbungsgesprächen erschienen oder haben nach einigen Wochen bemerkt, dass der Beruf doch nicht die richtige Wahl war.

Fachkräftemangel im Kfz-Gewerbe?

In Handwerksberufen gibt es generell immer weniger gute und qualifizierte Mitarbeiter. Das macht sich somit auch in der Automobilbranche bemerkbar. Besonders im LKW-Sektor mangelt es nach Angaben von Markus Zittel, Obermeister der Kfz-Innung Aachen, an Fachpersonal. Doch einen richtigen Fachkräftemangel gebe es nicht.

"Die Ausbildungszahlen sind seit Jahrzehnten konstant." Markus Zittel
Obermeister der Kfz-Innung Aachen

Während die Zahlen der auszubildenden Karosseriebauer und Fahrzeuglackierer leicht rückläufig sind, beobachtet Zittel bei den Kfz-Mechatronikern einen leichten Anstieg. 2020 waren es 272 Auszubildende als Kfz-Mechatroniker in der Handwerkskammer Aachen, während es im Vorjahr 295 waren. So bleiben die Zahlen insgesamt realtiv konstant.

Stabile Ausbildungszahlen in der Autobranche

Deutschlandweit sind 15-20 Prozent der Mitarbeitenden im Kfz-Bereich in der Ausbildung – auch in Aachen bewegt es sich in diesen Verhältnissen. Und das sei nach Zittel, der sich oft mit Kollegen aus anderen Handwerksberufen austauscht, eine gute Quote.

Das deckt sich ebenfalls mit Zahlen des Instituts für Wirtschaftsforschung (ifo). Nach aktuellen Zahlen aus einer Befragung des Instituts klagen im Kfz-Bereich – verglichen zu anderen Industriezweigen – wenig befragte Betriebe über einen Fachkräftemangel.

Im ersten Quartal 2022 sind hier trotzdem rund 23,5 Prozent der Kfz-Unternehmen unzufrieden mit der Personalsituation – das ist knapp ein Viertel aller in der Studie befragten Unternehmen.

Bewerbungszahlen sinken

Auch wenn die Gesamtzahl der Auszubildenen seit Jahren konstant ist, geht die Anzahl der Bewerbungen zurück. Während sich früher zehn bis 20 Interessierte auf einen Ausbildungsplatz beworben haben, sind es heute nach Zittels Angaben noch vier bis fünf.

Als Grund dafür nennt Klaus Wohlrabe, stellvertretender Leiter des ifo Zentrums für Makroökonomik, in erster Linie den demografischen Wandel.

Zittel merkt an dieser Stelle ebenfalls an, dass die meisten jungen Menschen zuerst studieren wollen und Ausbildungsberufe generell nicht mehr allzu attraktiv zu sein scheinen bei den meisten jungen Menschen.

Qualität der Bewerber lässt nach

Neben der Abnahme der Bewerbungszahlen beobachtet Markus Zittel auch, dass die Qualität der Bewerber nachgelassen hat. Das ist vor allem dahingehend problematisch, dass sich der Beruf derzeit stark wandelt und neue Ansprüche erfordert.

"Heute ist ja der Mechatroniker nicht mehr der klassische Schrauber, sondern ein halber Elektroniker." Markus Zittel
Obermeister der Kfz-Innung Aachen

Veränderungen in der Kfz-Branche

In Zukunft wird sich das Kfz-Gewerbe und die damit zusammenhängenden Berufsgruppen nach Einschätzungen von Zittel weiter verändern. "Die Umstellung auf Elektromobilität wird herausfordernd", sagt er.

Wie früher wird es definitiv nicht mehr – und das nicht nur bezogen auf die Technik in der Autoindustrie. Denn es wird auch immer schwieriger Menschen wie Franz-Josef Zentis zu finden, die über Jahrzehnte einem einzigen Unternehmen treu bleiben und schließlich zufrieden in den Ruhestand gehen können.

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