100 Tage im Amt - Schwieriger Start für Aachens OB Keupen

Sibylle Keupen lächtelt, während sie mit Bürgern vor dem Parteibüro der Grünen spricht

100 Tage im Amt - Schwieriger Start für Aachens OB Keupen

Von Ulrike Zimmermann

Seit 100 Tagen ist Sibylle Keupen Oberbürgermeisterin der Stadt Aachen. Die von den Grünen aufgestellte 57-Jährige gelangte als Quereinsteigerin auf den Spitzenposten. Corona und Lockdown haben ihr den Start ins neue Amt nicht einfacher gemacht.

Eine Videokonferenz nach der anderen. Kaum repräsentative Termine, kaum Gelegenheiten von Angesicht zu Angesicht mit Bürgern, Politikern und Verwaltungsmitarbeitern zu sprechen, und wenn doch, dann mit Abstand und Maske – erschwerte Bedingungen für die ehemalige Leiterin der Aachener Kultur- und Bildungseinrichtung Bleiberger Fabrik.

Ihr fehlten die persönlichen Begegnungen, auch mit Vertretern von Wissenschaft, Wirtschaft, Handel oder Kultur, sagt sie. "Viele Dinge werden ja nicht auf der offiziellen Agenda verhandelt, sondern auch vorher und nachher, und dazu bieten die Online-Formate keinen Raum."

Schwierige Ratssituation

In Aachen gibt es seit der Kommunalwahl 2020 keine klare Ratsmehrheit mehr. Der Abstimmungsbedarf mit den vielen Akteuren in Verwaltung und Politik sei wirklich hoch, sagt Sibylle Keupen. "Das ist natürlich für jemanden, der von außen kommt, eine Herausforderung. Das erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl."

Die Stadt voranbringen in Sachen Klimaschutz, Mobilitätswende und Stadtentwicklung – damit ist Sibylle Keupen für die Grünen bei der Wahl angetreten. Vieles ist bereits vom Stadtrat auf den Weg gebracht worden, zum Beispiel ein sogenanntes integriertes Klimaschutzkonzept und Verbesserungen für den Radverkehr. Nun geht es darum, das konsequent umzusetzen. Konkrete Ergebnisse kann man nach 100 Tagen aber noch nicht erwarten, gerade nicht in Pandemie-Zeiten.

Sybille Keupen mit rotem Blazer und schwarzer Mundmaske steht neben Mikro und Frau mit Blatt in der Hand

Am 04.11.2020 ist Sybille Keupen im Aachener Stadtrat zur neuen Oberbürgermeisterin vereidigt worden.

Eigenes Dezernat zum Klimaschutz

Die Stellenausschreibung für ein neues siebtes Dezernat Klimaschutz in der Stadtverwaltung läuft. 100 Millionen Euro sind im Haushaltsentwurf für den Klimaschutz in den nächsten vier Jahren bereitgestellt, sagt die Oberbürgermeisterin. "Außerdem arbeiten wir an einem Programm zu Fotovoltaik auf städtischen Gebäuden, wo wir als Stadt selbst zum Stromerzeuger werden."

Bürgertreff geplant

Was sie mit am meisten vermisse, sagt Sibylle Keupen, ist der direkte Dialog mit den Bürgern. "Das ist etwas, was mir echt schwerfällt im Moment, dass ich wegen Corona nicht rauskomme aus dem Rathaus." Konkret geplant ist ein Bürgertreff in einem Ladenlokal in der Innenstadt. Dort will die Oberbürgermeisterin voraussichtlich ab März als Ansprechpartnerin zwei Mal im Monat präsent sein.

Aus Anlass des 100. Tages im Amt lädt sie außerdem für den 17.02.2021 zu einem Online-Austausch ein. Bis zum 11.02.2021 können sich Bürger anmelden. Zehn von ihnen werden ausgelost und können direkt an der Video-Konferenz teilnehmen. Das Gespräch wird im städtischen Youtube-Kanal übertragen.

Stand: 09.02.2021, 11:31