Corona und die "Generation der Nichtschwimmer"

Das Bild zeigt ein Kind mit Schwimmflügeln im Wasser.

Corona und die "Generation der Nichtschwimmer"

Von Katharina Paris

Keine Schwimmkurse und das seit Monaten – die Bäder sind wegen der Corona-Pandemie dicht. Übungsleiter sprechen von einer "Generation der Nichtschwimmer, die jetzt heranwächst".

"Für die Kinder ist das richtig schlimm. Und keiner weiß ja, wie es weitergehen wird", klagt Brunhilde Schröter. Sie ist Übungsleiterin beim 1. WSV, in dem pro Jahr über 140 Kinder unterrichtet werden. Normalerweise würde sie drei Mal pro Woche mit den Kindern im Wasser sein und ihnen das Schwimmen beibringen, würde ihnen die Angst nehmen, sie motivieren und auf die Schwimmabzeichen vorbereiten. So, wie sie es schon seit 1976 macht.

Doch seit September steht der Betrieb in allen Bädern still. "Es müssen natürlich Voraussetzungen geschaffen werden, dass es für alle sicher ist. Aber da sehe ich gerade noch keine Lösung", sagt Schröter.

DLRG warnt vor Auswirkungen

Eine Lösung hat auch Martin Flasbarth von der DLRG in Duisburg nicht. Er warnt aber davor, dass es dramatische Auswirkungen haben wird, wenn jetzt so viele Kinder nicht schwimmen lernen. "Vor allem für die Anfänger ist das schlimm. Aber auch die Viertklässler sind betroffen. Sie sollten beim Verlassen der Grundschule mindestens das Seepferdchen haben", sagt er.

Doch schon vor Corona hatten laut einer Studie der DLRG aus dem Jahr 2017 23 Prozent der Kinder beim Verlassen der Grundschule dieses kleine Schwimmabzeichen nicht.

Schon vor Corona wenig Schwimmzeit

Das Seepferdchen sei zudem auch keine Garantie, dass ein Kind schwimmen kann, erklärt Ulf Priewe vom 1. WSV. "Danach kann es sich gerade mal über Wasser halten und ist damit eigentlich noch ein Nicht-Schwimmer." Um so ernster sei die Lage deshalb jetzt, denn die verlorene Zeit könne nicht aufgeholt werden. "Wir hatten schon vor der Pandemie nicht viel Schwimmzeit, weil es nicht genug Wasserfläche gibt."

Er plädiert deshalb dafür, dass Kinder bei der Wiedereröffnung der Bäder Priorität haben sollten und beispielsweise Fitness-Schwimmkurse von Erwachsenen erst einmal verschoben werden.

Eltern sind keine ausgebildeten Schwimmer

Eine weitere Möglichkeit wäre es, dass Eltern ihren Kindern das Schwimmen selbst beibringen, vielleicht im Sommer, wenn die Freibäder öffnen. Doch davon hält Brunhilde Schröter nicht viel. "Da gibt es häufig einen Autoritätskonflikt. Kinder sind aufmerksamer und machen besser mit, wenn sie von einem Nicht-Familienmitglied unterrichtet werden."

Zudem seien Eltern eben auch keine ausgebildeten Schwimmlehrer. "Und was man einmal falsch lernt, kann man nur schwer korrigieren." Brunhilde Schröter muss es wissen: Sie hat in ihren 45 Jahren als Übungsleiterin schon über 4000 Kindern das Schwimmen beigebracht.

Stand: 05.03.2021, 20:10