Katholischer Pfarrer ist Sitzungsleiter im Kölner Karneval

Thomas Frings auf der Bühne der "Große von 1823"

Katholischer Pfarrer ist Sitzungsleiter im Kölner Karneval

Von Jutta Thüner

  • Erstmalig ist ein Pfarrer Sitzungsleiter der "Großen von 1823"
  • Thomas Frings ist Großneffe des Kölner Kardinals Joseph Frings
  • Premiere mit 1000 jecken Frauen im Kölner Gürzenich

Zum ersten Mal ist ein katholischer Pfarrer Sitzungsleiter einer großen Kölner Karnevalsgesellschaft. Der 59-jährige Thomas Frings leitet in dieser Session die Sitzungen der ersten Kölner Karnevalsgesellschaft "Die Grosse von 1823". Damit löst er nach 15 Jahren den ehemaligen Polizeidirektor Winrich Granitzka als Sitzungsleiter ab.

Thomas Frings ist kein Unbekannter. 25 Jahre lang war der gebürtige Klever Pfarrer im Bistum Münster. 2016 legte er sein Amt nieder und nahm eine Auszeit im Kloster. Frings übte Kritik an der Struktur der Kirche und sucht neue Wege. Er schrieb Bücher, zuletzt "Aus, Amen, Ende? So kann ich nicht mehr Pfarrer sein." Seit 2018 ist er Pfarrvikar in der Kölner Innenstadt. 

Lampenfieber bei der Premiere Mädchensitzung 

Prof. Joachim E. Zöller und Sitzungsleiter Thomas Frings im Porträt

Sitzungsleiter Thomas Frings (rechts) mit Prof. Joachim E. Zöller

Seinen ersten Einsatz als Sitzungsleiter hatte Pfarrer Frings ausgerechnet vor 1000 jecken Frauen im Kölner Gürzenich am Dienstag (21.01.2020). Nur der Elferrat war männlich, laut Redner Guido Cantz "ein Elferrat mit einer Frauenquote wie im Vatikan." Frings lachte herzhaft über alle Witze. Er hatte sich gut vorbereitet und moderierte mit Stil und Freude. Die kölschen Lieder sang er leidenschaftlich mit und mit seiner höflichen, freundlichen Art kam er bei den Frauen im Saal gut an. Die "Die Grosse Kostümsitzung" wird Pfarrer Frings am Dienstag (28.01.2020) also "routiniert" leiten können.

Das Wort "fringsen" kommt von seinem Großonkel 

Sein Großonkel, der Kölner Kardinal Joseph Frings, beschritt auch ungewöhnliche Wege. Der Erzbischof erlaubte den Menschen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in der Not den Diebstahl von Kohle. So kam für Kohlenklau das Wort "fringsen" auf.

Thomas Frings hatte durch seine Familie immer einen Bezug zu Köln und sie alle mochten immer den Karneval. Seit 2004 ist er Gesellschaftspfarrer bei der "Grossen von 1823". Er feiert auch gerne in den Kneipen, sagt er: "Das Allerbeste sind die kölschen Lieder! Lieder singen, in der Kneipe zusammenstehen, wo die ganzen Generationen von jung bis alt zusammen sind. Ich finde es herrlich!"

Stand: 28.01.2020, 07:32