Krise im Kölner Erzbistum: Lehrer wollen nicht mehr unterrichten

Der Kölner Dom vor dunklen Wolken durch einen Sichtschlitz betrachtet.

Krise im Kölner Erzbistum: Lehrer wollen nicht mehr unterrichten

Von Frank Piotrowski

Auf einer Sondersitzung des Diözesanrats zum sexuellen Missbrauch durch Priester im Erzbistum wurde Kardinal Woelki vorgeworfen, die Unwahrheit zu sagen. Währenddessen ziehen sich Religionslehrer aus dem Lehrbetrieb zurück.

Die Laien aus den katholischen Pfarrgemeinden und Verbänden im Erzbistum fühlen sich von Kardinal Woelki nicht ernst genommen. Der Erzbischof hatte den 80 Delegierten eineinhalb Stunden vor deren Videokonferenz einen Brief geschrieben. Die Arbeit der Laien habe Einfluss auf seine Entscheidungen: Forderungen zur Aufklärung des Missbrauchsskandals setze er bereits um, schrieb Kardinal Woelki. Die Vertreter der Gemeinden und Verbände sagen, das stimme nicht. Forderungen wie das Einstehen für persönliches Verschulden blieben unbeantwortet, so ein Sprecher des Diözesanrats.

Es sei auch unverständlich, dass der Erzbischof dem Diözesanrat seinen mehrseitigen Brief erst so kurzfristig  vor der Videokonferenz geschrieben habe. Das Bistum sei an einem toten Punkt und der liege in der Bistumsleitung, so ein Sprecher des Diözesanrats. Am Freitag tagt der Diözesanpastoralrat, das wichtigste Beratungsgremium des Erzbischofs, in dem vor allem Priester sitzen. Die Laien entsenden zehn Vertreter und kündigten an, dann Klartext reden zu wollen.

Erzbistum: Visitatoren sprechen mit Missbrauchs-Betroffenen

WDR 2 08.06.2021 03:59 Min. Verfügbar bis 08.06.2022 WDR 2


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Krise im Religionsunterricht zu spüren

Die Krise im Kölner Erzbistum hat unterdessen auch den Religionsunterricht in den Schulen erreicht. Erste Religionslehrer geben ihre katholische Lehrbefugnis zurück, teilt die Vereinigung der katholischen Religionslehrer an Gymnasien und Gesamtschulen im Erzbistum Köln mit. Das Entsetzen über die Missbrauchsstraftaten im Erzbistum sei für die knapp 5000  katholischen Lehrkräfte zu einer schweren persönlichen Belastung geworden, sagt deren Vorsitzende Agnes Steinmetz.

Nach Angaben der Vorsitzenden haben einige bereits die kirchliche Lehrerlaubnis zurückgegeben oder lassen sie ruhen. Und viele unterrichteten nur noch mit einer starken inneren Distanz zur Amtskirche.

Referendare könnten abgeschreckt werden

Die Vorsitzende der Vereinigung Agnes Steinmetz fürchtet auch, dass  sich Referendare von den Negativ-Schlagzeilen abgestoßen fühlen könnten und sich deshalb erst gar nicht um eine Lehrerlaubnis für katholische Religionslehre bemühen. Außerdem fürchtet sie um den Bedeutungsverlust des Religionsunterrichts. Wenn immer mehr Großeltern und Eltern aus der Kirche austreten, werde auch der Nachwuchs nicht mehr in den Religionsunterricht geschickt

Das Erzbistum Köln wollte sich dazu zunächst nicht äußern. Erst müsse die Statistik der letzten Monate ausgewertet werden, wie viele Lehrer aus welchen Gründen ihre kirchliche Erlaubnis, katholische Religion zu lehren, tatsächlich aufgegeben hätten.

Stand: 17.06.2021, 12:21