Kölner Karnevalsgesellschaft nimmt jetzt auch Frauen auf

Jecke Frauen feiern den Elften Elften in Köln (11.11.2016)

Kölner Karnevalsgesellschaft nimmt jetzt auch Frauen auf

Von Esther Körfgen

Künftig dürfen auch Frauen in der Karnevalsgesellschaft "Die Große von 1823" mitbestimmen. Der Traditionsverein ändert fast 200 Jahre nach Gründung seine Satzung.

Das hat die Jahreshauptversammlung mit großer Mehrheit beschlossen. Genau heißt es, man wolle "Menschen jeden Geschlechts" aufnehmen. Außerdem will der Verein das Mitgliedsalter von 18 auf 16 senken. So möchte er sich nach eigenen Angaben der modernen Gesellschaft anpassen, in der Frauen und Jugendliche aktiv und selbstverständlich mitmischen.

"Unsere Gesellschaft ist natürlich in besonderer Weise der Tradition verpflichtet", sagt der Präsident der "Großen von 1823", Joachim Zöller. "Gleichwohl ist Tradition kein starres Gebilde, sondern auch diese muss sich dem gesellschaftlichen Wandel anpassen."

Immer noch viele reinen Männervereine

Unter den rund 130 ordentlichen Kölner Karnevalsgesellschaften sind noch etwa ein Dutzend reine Männervereine. Dazu gehören etwa die "Roten Funken" oder die "Blauen Funken". Frauen dürfen darin nur Teil von "Damenkomitees" werden oder bei Familienausflügen dabei sein, ordentliche Mitglieder sind sie nicht.

Was etwa die "Große Kölner Karnevalsgesellschaft" bereits 1993 geändert hat, will "Die Große von 1823" jetzt nachholen: hier dürfen Frauen nun auch Funktionen übernehmen und zum Beispiel Vorstandsaufgaben erledigen. "Wir brauchen weiblichen Input“, sagt Sprecher Sören Riebenstahl. Es sei allerhöchste Zeit gewesen, weibliche Mitglieder aufzunehmen.

Breite Mehrheit, aber einige Gegenstimmen

Schließlich werde überall über Frauenquoten diskutiert, über gendergerechte Sprache und Gleichberechtigung. Die Vereinssatzung zu ändern, traf dann auch auf breite Zustimmung auf der Hauptversammlung: 90 Prozent der Mitglieder stimmten dafür. Einige Herren jedoch haben dagegen gestimmt: Für sie bedeutet die traditionsreiche "Frackgesellschaft“, wie sie auch genannt wird, noch eine Rückzugsmöglichkeit der Männer vor den Frauen.

Bereits jetzt liegen fünf Anträge von Frauen auf Mitgliedschaft vor. Diese können aber erst dann bestätigt werden, wenn die Satzungsänderung auch vom Amtsgericht bestätigt wird. Ob das bis zum 11.11. klappt, ist fraglich. Denn erfahrungsgemäß dauert so eine Bestätigung einige Monate.

Stand: 29.09.2021, 12:55

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