Inklusion im Karneval - Feiern ohne Barrieren

2008 ging erstmals eine Gruppe von Karnevalsjecken mit einer Behinderung im Kölner Zug mit.

Inklusion im Karneval - Feiern ohne Barrieren

  • Inklusion im Karneval
  • In Aachen Motto der Session
  • Weitere Beispiele und Projekte in NRW

Seit einigen Jahren bemühen sich Karnevalshochburgen, Jecken mit Behinderungen besser einzubinden. Vielerorts gibt es erste Beispiele.

In Aachen hat sich der Karneval beispielsweise die Behindertenfreundlichkeit in diesem Jahr ins Motto geschrieben. Während der Session "All inKlusiVe" wolle er Barrieren niederreißen, kündigte Prinz Martin I. (Martin Speicher) bei seiner Proklamation an. Die Aachener bauen zum Beispiel einen barrierefreien Karnevalswagen, der ab diesem Jahr bei allen Zügen mitfahren soll.

"Insgesamt gesehen würde ich sagen, dass die Sensibilität in den vergangenen Jahren gestiegen ist", sagt die Abteilungsleiterin für Behindertenhilfe der Caritas im Erzbistum Köln, Karen Pilatzki. Seit langer Zeit werde in Behinderteneinrichtungen und -werkstätten Karneval gefeiert. "Das hat Tradition." Neu sei aber die Integration Behinderter in den "sonstigen" Karneval. "Das beobachte ich erst seit vier oder fünf Jahren", erklärt Pilatzki.

So gestalten in Neuss Menschen mit und ohne Behinderung einen Karnevalswagen und nehmen gemeinsam am Umzug teil. In Köln, Düsseldorf, Bonn und Aachen wird der Rosenmontagszug für blinde Menschen live kommentiert.

Einige Veranstalter engagieren für ihre Sitzungen Gebärdendolmetscher für Gehörlose. Und die Kölner Stunksitzung hat eine Künstlerin mit starken Sprechschwierigkeiten im Programm. Der Text ihrer minutenlangen Solo-Nummer wird zum Mitlesen an die Wand projiziert.

Berührungsängste in Moers

Vor wenigen Jahren gab es Bedenken gegen Jecken mit Behinderungen. 2012 wollte zum Beispiel der Veranstalter eines Karnevalszugs in Moers ein geistig behindertes Prinzenpaar der örtlichen Caritas-Werkstatt nicht auf einem Wagen mitfahren lassen. Er führte versicherungstechnische Probleme ins Feld. Am Ende konnten Prinz Michael "der Köchelnde" und Prinzessin Claudia "die Liebende" dann doch mit dabei sein.

In Bonn gibt es seit 15 Jahren die "Furios"-Sitzung für Menschen mit und ohne psychische Einschränkung. Solche Berührungsängste wie in Moers gibt es dort nicht. Die etwa 200 Gäste im Saal – Clowns, Bienen, Katzen, Cowboys – haken sich unter und fangen an zu schunkeln. Darunter sind Klienten, Verwandte, Ehrenamtliche und Caritas-Mitarbeiter. "Die Durchmischung, die wir hier haben, ist schon ziemlich weit", findet Fachbereichsleiterin Anita Schönenberg.

Behinderte sollen Wahl haben

Karnevalsangebote speziell für behinderte Menschen hält auch Caritas-Expertin Pilatzki für gerechtfertigt. "Betriebskarnevalsfeiern für Behinderte finde ich genauso normal wie Betriebskarnevalsfeiern der Sparkasse", sagt sie. Wichtig sei jedoch, dass auch Menschen mit Behinderung wählen können, ob sie Karneval mit behinderten oder mit nicht-behinderten Freunden und Kollegen feiern wollen – in einer Einrichtung oder einfach draußen auf der Straße.

Stand: 17.02.2020, 13:54