Eine Statue von Karl der Große mit einer Fahne der Europäischen Union vor dem Rathaus in Aachen.

Karlspreis 2022 im Zeichen des Ukraine-Kriegs

Stand: 22.04.2022, 15:25 Uhr

Fröhliche Feiern zur Verleihung des Karlspreises in Aachen wird es in diesem Jahr nicht geben. Der Preis steht unter dem Eindruck des Krieges in der Ukraine.

Von Ingo Wagner

Das Rahmenprogramm zur Karlspreis-Verleihung ist am Freitag (22.04.2022) bei einer Pressekonferenz vorgestellt worden. Die Veranstaltungen vom 26. April bis zum 29. Mai steht jedem offen, teilweise ist vorab eine Anmeldung oder die Einhaltung gesonderter Corona-Regeln erforderlich.

Karlspreisträgerinnen besuchen die RWTH

Am 25. Mai besuchen zwei der diesjährigen Preisträgerinnen - die belarussischen Bürgerrechtlerinnen Swetlana Tichanowskaja und Veronica Tsepkalo - die Technische Hochschule in Aachen und diskutieren mit den Studierenden.

Die dritte Preisträgerin Maria Kalesnikava kann nicht dabei sein. Sie ist wegen ihres Kampfes gegen das Regime des Diktators Alexander Lukaschenko in Belarus zu elf Jahren Haft verurteilt worden. Für sie wird ihre Schwester Tatsiana Khomich die RWTH besuchen und tags darauf auch den Preis entgegen nehmen. Sie wird mit Studierenden über die Lage in Osteuropa und die Unterdrückung der Opposition durch das von Wladimir Putin unterstützte Regime in Belarus sprechen.

Karlpreis-Rahmenprogramm 2022

00:48 Min. Verfügbar bis 22.04.2023 Von Silke Oettershagen


Europas Schutz- und Verteidigungsfunktion als neuer Akzent

Olaf Müller und Jürgen Linden bei der Vorstellung des Rahmenprogramms zum Karlspreis 2022

Olaf Müller und Jürgen Linden vom Karlspreis-Direktorium stellen das Rahmenprogramm vor.

Ich persönlich bin der Meinung, dass Europa gerade jetzt eine völlig neue Funktion einnehmen muss, nämlich eine Schutz- und Verteidigungsfunktion,“ sagt Jürgen Linden vom Karlspreis-Direktorium. Das habe beim Karlspreis, der jährlich an Preisträger:innen vergeben wird, die sich um Europa oder die europäische Einigung verdient gemacht haben, in den vergangenen Jahrzehnten keine Rolle gespielt. Jetzt sei es aber der Akzent, den man setzen müsse. In den mehr als 40 Veranstaltungen des Karlspreis-Rahmenprogramms wird auch darauf eingegangen.

Zeitenwechsel durch den Krieg in der Ukraine

So wird etwa der ehemalige Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger, auf einer digitalen Veranstaltung über den russischen Angriffskrieg in der Ukraine sprechen und darüber, was das für die künftige Sicherheit Europas bedeutet.

Die gleiche Thematik wird auch der ehemalige Bundeswehr-General Egon Ramms beleuchten – er spricht in einem Vortrag über den Zeitenwechsel, den der Krieg ausgelöst hat und die Fehler der Politik der europäischen Staaten im Verhältnis zu Russland.

Baerbock hält Laudatio bei Karlspreis-Verleihung

Bei der Verleihung des Karlspreises am 26. Mai wird Außenministerin Annalena Baerbock die Laudatio für die drei Preisträgerinnen Tichanowskaja, Tsepkalo und Kalesnikava halten. Nach der Preisverleihung ist am Aachener Rathaus außerdem eine Kundgebung mit den Preisträgerinnen und Politikern geplant.

Der WDR überträgt die Verleihung live in Radio und Fernsehen an Christi Himmelfahrt, 26.05. ab 11 Uhr.