Herzspezialisten verlassen Sankt Augustiner Kinderklinik

Vor der Kinderklinik in St.Augustin

Herzspezialisten verlassen Sankt Augustiner Kinderklinik

Von Anne Burghard

  • Chefärzte und Pflegepersonal kündigen
  • Beide Professoren wechseln an Uniklinik Bonn
  • Streit um Fördergelder

Ein Ruck geht durch das Deutsche Kinderherzzentrum in Sankt Augustin. Bereits Ende März haben die Professoren Boulos Asfour und Martin Schneider bei der Asklepios-Kinderklinik in Sankt Augustin ihre Kündigungen eingereicht. Beide gehören zu den wenigen deutschen Spezialisten auf dem Gebiet der Kinderherz-Chirurgie. Zusätzlich haben neun Pflegekräfte dieser Abteilung gekündigt.

Neues Herz-Zentrum in Bonner Uniklink

"Ein schwerer Schlag für das Deutsche Kinderherzzentrum und die Kinderklinik", kommentiert der Sprecher der Asklepios-Kliniken, Rune Hoffmann. Die Bonner Uniklinik hat bestätigt, dass beide Chefärzte zum Herbst in das neue Herzzentrum mit Eltern-Kind-Bereich wechseln werden. Sie betont weiter, sie habe weder Ärzte noch Pflegekräfte gezielt abgeworben. Allerdings könne sie durch eine eigene Geburtshilfe-Abteilung den Schutz herzkranker Babys während der Geburt gewährleisten. In der Sankt Augustiner Asklepios-Klinik wurde die Geburtshilfe-Station vor zwei Jahren geschlossen.

Vorwürfe an NRW-Landesregierung

Der Klinik-Konzern Asklepios, der das Deutsche Kinderherzzentrum in Sankt Augustin betreibt, geht indes hart mit dem Land Nordrhein-Westfalen ins Gericht. Asklepios-Sprecher Rune Hoffmann: "Seit Jahren streiten wir erfolglos mit dem Land um Fördergelder für die Sanierung der Klinik."

Konkurrenz vor der Haustür

Stattdessen habe das Land rund 350 Millionen Euro investiert, unter anderem in ein neues hochmodernes Herzzentrum und ein Eltern-Kind-Zentrum an der Uniklinik Bonn. Und damit eine Konkurrenz in nächster Nähe geschaffen. Hofmann: "Wir empfinden es als Affront des Landes und einen erheblichen Eingriff in den Wettbewerb."

Zudem werde es schwierig, einen adäquaten Ersatz für die beiden Herz-Spezialisten und das Pflegepersonal finden. Die beiden Chefärzte wollen das Haus zum Herbst verlassen.

 

Stand: 16.04.2019, 15:41