Woelki feiert Ostermesse: Kein Wort zu Spielschulden oder Missbrauchsfällen

Stand: 17.04.2022, 15:53 Uhr

Kardinal Rainer Maria Woelki hat das Osterfest zelebriert. Die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle und die durch das Erzbistum beglichenen Spielschulden eines Pfarrers spielten dabei keine Rolle.

Von Jochen Hilgers

Es ist das wichtigste Fest der Katholiken. Am Ostersonntag waren daher besonders viele Menschen in den Kirchen zur Ostermesse. Im Kölner Dom zelebrierte der umstrittene Woelki das Pontifikalamt. Das Erzbistum ist wegen der Aufarbeitung der Missbrauchsfälle dauernd in den Schlagzeilen. Dass millionenschwere Spielschulden eines Pfarrers beglichen wurden, erhöht nun die Resignation der Katholiken.

Dom bis auf den letzten Platz gefüllt

Es ist zehn Uhr morgens, und auf der Kölner Domplatte sind viele Menschen unterwegs, zumeist Touristinnen und Touristen auf Osterurlaub. Von den Vorgängen im Erzbistum wissen sie kaum etwas. Sie wollen den Dom besichtigen. Das geht aber nicht, da das Pontifikalamt läuft.

Der Dom ist zu der feierlichen Messe bis auf den letzten Platz gefüllt. Kardinal Woelki hält die Predigt. Es geht darin um die Auferstehung der Toten. Woelki zeigt auf die Menschen im Dom und sagt: "Christus ist der erste und dann folgst du und du und hoffentlich auch ich. Das ist uns von Gott verheißen."

Kein Wort über die Skandale

Viele sagen nachher, die Predigt sei unter die Haut gegangen. Fast alle sagen aber auch, sie seien wegen der besonderen Atmosphäre gekommen, nicht wegen des Kardinals.

Ein Vater ist mit seinem Sohn extra aus Stuttgart angereist. Sie möchten nicht namentlich genannt werden. Er sei aus christlich-klerikalen Gründen gekommen, und weil er dieses schöne Gotteshaus besuchen wollte, so der Vater. "Nicht des Priesters oder der Hoheiten wegen", fügt er an. Der Sohn kritisiert, dass kein Wort über die Skandale der Vergangenheit gefallen sei. Das gehe gar nicht, sagt der 15-Jährige.

Zahl der Unterstützer wächst nicht

Woelki verabschiedet später einige Gläubige persönlich. Eine Geste, die ihn nahbar erscheinen lässt. Die Zahl seiner Unterstützer wächst damit aber heute offenbar nicht an. Selbstkritik habe man sich gewünscht, geradezu erwartet, sagt eine Mutter, deren Tochter im Chor gesungen hatte. Vielleicht käme die Auseinandersetzuung  irgendwann mal, aber heute sei nichts gekommen.

Es sei schlimm, sagt eine 90-Jährige, die aus einer Seniorenunterkunft im rechtsrheinischen Poll gekommen ist. Man dürfte gar nicht darüber nachdenken, dann käme viel hoch, was eigentlich schon vergraben war. Ihre ebenfalls 90-jährige Freundin sagt, seit 1944 seien sie Ostern im Dom.

Woelki-Rückkehr: "Vertrauensverlust ist immens"

WDR 5 Morgenecho - Interview 03.03.2022 06:29 Min. Verfügbar bis 03.03.2023 WDR 5


Download

Papst entscheidet später über Woelkis Rücktrittsgesuch

Ob sie im nächsten Jahr noch eine Predikt von Woelki hören werden, bleibt abzuwarten. Der 65-Jährige hatte Papst Franziskus (85) seinen Rücktritt angeboten, worüber dieser aber erst später entscheiden will. Einstweilen ist Woelki weiter im Amt.

Er hat die Gläubigen im Erzbistum Köln um eine zweite Chance gebeten, nachdem es zuvor zu einer Vertrauenskrise gekommen war. Die hatte er bereits 2020 ausgelöst. Grund war ursprünglich seine Weigerung, ein von ihm selbst in Auftrag gegebenes Gutachten zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Missbrauchsvorwürfen zu veröffentlichen.

Anfang März war Woelki nach einer fünfmonatigen Auszeit, in die ihn der Vatikan geschickt hatte, trotz vieler Bedenken und Kritik in sein Amt zurückgekehrt. Auch das Verhältnis zwischen ihm und den wichtigsten Gremien des Erzbistums Köln gilt als zerrüttet.

Weitere Themen