Missbrauch: Kölner Kardinal Woelki will weiterhin Vertuscher benennen

Die Beiratssprecher mit Kardinal Woelki.

Missbrauch: Kölner Kardinal Woelki will weiterhin Vertuscher benennen

Von Christina Zühlke

  • Kölner Kardinal redet mit Betroffenen von Missbrauch
  • Woelki erneuert Versprechen, Vertuscher zu benennen
  • Bekanntgabe der Namen war im März abgesagt worden
  • Betroffene fühlen sich wieder von Kirche vertröstet

Zwei Männer stehen vor dem Kölner Dom, er scheint übermächtig auf sie hinunterzublicken. Doch trotz allem, was die Kirche ihnen angetan hat, sind sie wieder einmal auf dem Weg zu einem Gespräch. Diesmal mit Kardinal Rainer Maria Woelki. Die Männer wollen Aufklärung, der Kardinal hat sie versprochen.

Als Kinder wöchentlich missbraucht

Karl Haucke wurde als Schüler von einem Pater über vier Jahre missbraucht. Patrick Bauer (50) erlebte ähnliches. Beide sind nun Sprecher des Kölner Betroffenen-Beirats, dem deutschlandweit ersten, der ausschließlich aus Betroffenen besteht. Keine Juristen, Psychologen, Theologen, die beraten aber auch beeinflussen könnten.

Als Kardinal Woelki versprach, die Namen derer öffentlich zu machen, die Missbrauch nicht verhindert, sondern vertuscht hätten, war das für die Betroffenen eine wichtige Zusage. Die sogenannte MHG Studie hatte im Jahr 2018 zwar erstmals konkrete Zahlen zu Tätern und Opfern genannt wurden. Aber keine Namen.

Nicht nur Täter auch Vertuscher nennen

Der Kölner Kardinal gab daraufhin die Personalakten an eine Münchner Kanzlei. Anderthalb Jahre später sollte, im März 2020, das Ergebnis der Untersuchung vorgestellt werden, inklusive Namen. Doch zwei Tage vor dem Termin: die Absage. Eine herbe Enttäuschung für die Betroffenen. "Wir haben viele Fragen an den Kardinal und erwarten ehrliche Antworten", sagte Karl Haucke vor dem Gespräch.

Kardinal Woelki äußerte sich dazu am Montag (11.05.2020) gegenüber dem  WDR: "Die Herausforderung war diesen Bericht presserechtlich, persönlichkeitsrechtlich in die Öffentlichkeit zu bringen, ohne das dagegen geklagt werden kann. Und weil noch nirgendwo ein solcher Bericht erstellt worden ist, ist das eine Herausforderung  für alle."

Die Betroffenen zeigten zwar Verständnis dafür, dass die Namensnennung nicht durch mögliche Klagen verhindert werden solle. Sprecher Patrick Bauer kritisierte aber deutlich: "Dass sowas nicht im Vorhinein geklärt wurde, ist mehr als ärgerlich." Nun müssten die Betroffenen wieder warten, würden wieder vertröstet.

"Uns läuft die Zeit davon"

Beiratsmitglieder vor dem Dom.

Besonders bitter, so die Beiratsmitglieder: Der Kardinal nannte keinen konkreten Zeitplan für die Veröffentlichung. "Uns läuft die Zeit davon", sagt Karl Haucke. Und Patrick Bauer ergänzt: "Unter den Betroffenen sind viele alte Menschen, und diese Menschen sterben irgendwann. Je länger wir warten, desto mehr Menschen sterben und das geht einfach nicht."

Drei Stunden dauerte dann das Gespräch. Vertraulich. Ohne Journalisten. Der Kardinal erneuerte darin sein Versprechen, dass Namen genannt werden sollen. An diesem Versprechen wird er sich in Zukunft messen lassen müssen.

Kirche und Missbrauch: Kann man noch katholisch sein? Unterwegs im Westen 10.02.2020 28:34 Min. UT Verfügbar bis 10.02.2021 WDR Von Christina Zühlke

Stand: 12.05.2020, 07:37