Kardinal Woelki im Exklusiv-Interview: Erzbistum muss sich drastisch verändern

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, 02.02.2021

Kardinal Woelki im Exklusiv-Interview: Erzbistum muss sich drastisch verändern

Von Frank Piotrowski

Wenige Tage vor seinem 65. Geburtstag hat der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki mit dem WDR über die wichtigen Themen in seinem Erzbistum geredet.

Der Kölner Erzbischof sieht sich bei der Aufklärung des Missbrauchskomplexes auf einem guten Weg. Kein anderer Bischof in Deutschland hat in den letzten Monaten so viel Kritik aushalten müssen wie Rainer Maria Woelki. Er war vor allem in die Kritik geraten, da er einen Freund nicht nach Rom gemeldet hatte. Ein inzwischen verstorbenen Düsseldorfer Pfarrer, der einem Kindergartenkind sexualisierte Gewalt angetan haben soll.

Heute würde Woelki anders handeln

Woelki begründete es Wochen lang mit der schweren Demenz des Beschuldigten. Dafür bekam er von Gemeindemitgliedern in Düsseldorf symbolisch die rote Karte gezeigt. Der Kölner Erzbischof sagt jetzt, er würde heute anders handeln. "Natürlich nach dieser ganzen Kritik und dieser Aufregung, die das verursacht hat, würde ich das natürlich heute sofort nach Rom melden." Die Rechtsgutachter hatten bei dem Kölner Kardinal keine Pflichtverletzung festgestellt.

Woelki plant Gottesdienst mit Opfern sexualisierter Gewalt

Auch wenn die Zurückhaltung eines ersten Rechtsgutachtens zum Missbrauchskomplex im Kölner Erzbistum für viel Unmut gesorgt hat, es gibt auch Zustimmung für Kardinal Woelki. Denn viele Bistümer sind längst noch nicht so weit wie die Kölner. Erzbischof Woelki kündigte an, noch in diesem Jahr einen Gottesdienst mit den Opfern sexualisierter Gewalt feiern zu wollen. Bei der ebenfalls stark umstrittene Gemeindereform im Kölner Erzbistum sieht Woelki wenig Spielraum.

Nur einschneidende Veränderungen können die Kirche retten

Die Zahl der Gläubigen und die finanziellen Möglichkeiten halbieren sich in den kommenden Jahrzehnten. Nur einschneidende Veränderungen könnten die katholische Kirche retten. "Wie groß Gemeinden sind, wie klein sie sein dürfen, wie sie verwaltet, wie sie organisiert werden, ehrlich gesagt, sind das für mich nicht die wichtigsten Fragen." Die Kirche, so Woelki, müsse sich verändern, damit die Botschaft des Evangeliums verbreitet werden könne. Was sich verändern soll, müsse jetzt im Kölner Erzbistum diskutiert werden.

Woelki: Kein Segen für homosexuelle Paare

In einem Punkt wird sich Kardinal Woelki wohl auch im kommenden 65. Lebensjahr nicht verändern. Das Segnen gleichgeschlechtlicher Paare kommt für ihn weiterhin nicht in Frage. Damit sind dem Erzbischof auch im neuen Lebensjahr Kritiken gewiss. Die Zustimmung vieler wird er aber für seine Forderung haben, sich gegen die Diskriminierung von Homosexuellen einzusetzen, wo immer sie vorkommt. Auch im Ausland.

Die Entscheidung des Papstes, ob er nach dem Besuch der Visitatoren Erzbischof von Köln bleiben darf, wartet Kardinal Woelki nach eigenen Angaben ganz entspannt ab. Papst Franziskus habe ihm bei seinem letzten Besuch im Februar volles Vertrauen entgegengebracht. Zu seinem anstehenden Geburtstag wünscht er sich Frieden im Erzbistum Köln.

Woelki Interview Lokalzeit Köln 54:34 Min. Verfügbar bis 13.08.2031

Stand: 13.08.2021, 23:21