Kamp-Lintfort: Bergbau-Landmarke wird abgerissen

Kamp-Lintfort: Abriss von Bergbau-Landmarke 03:15 Min. Verfügbar bis 21.01.2021

Kamp-Lintfort: Bergbau-Landmarke wird abgerissen

Von Lisa Mathofer

  • 600-Tonnen-Spezialkran im Einsatz
  • Turm wird von oben mit Bagger abgetragen
  • Bei Grubenunglück 1966 starben 16 Bergleute

Von oben geht es dem über 100 Meter hohen Förderturm der Schachtanlage Rossenray in Kamp-Lintfort an den Kragen: Ein Spezialkran hebt einen 26 Tonnen schweren Bagger auf das Dach des Turms. Stück für Stück frisst der sich nach unten – bis auf rund 70 Meter.

Dann kommt die Abrissbirne, um die Betonkonstruktion, eine markante Landmarke am Niederrhein, endgültig verschwinden zu lassen. Am Dienstagmorgen (21.01.2020) hat die entscheidende Phase der Abrissarbeiten begonnen.

Der Rückbau des Schachtturms Rossenray in Bildern

Von Christian Richter

Eine Landmarke des Niederrheins verschwindet: Der Schachtturm Rossenray in Kamp-Lintfort wird seit Dienstag (21.01.2020) zurückgebaut. Bereits im Oktober 2019 wurde die Sieberei abgerissen. Auf dem Gelände sollen Gewerbe- und Industrieflächen entstehen.

Der Schachtturm Rossenray 1 in Kamp-Lintfort, daneben zwei Kräne

1909 begannen hier die ersten Abteufarbeiten, die Schächte wurden angelegt. 2012 wurde das Bergwerk West und damit die Schachtanlage Rossenray endgültig stillgelegt.

1909 begannen hier die ersten Abteufarbeiten, die Schächte wurden angelegt. 2012 wurde das Bergwerk West und damit die Schachtanlage Rossenray endgültig stillgelegt.

Der Diplom-Geologe Michael Otto leitet das einzigartige Projekt auf dem Gelände der ehemaligen Förderanlage Eine Sprengung hätte sich nicht rentiert, auch die Sicherheits- und Evakuierungsmaßnahmen hätten viel mehr Zeit in Anspruch genommen, so Otto.

Noch bevor der Bagger auf den Turm gehievt wird, fährt der Baggerfahrer in einem sogenannten Mannkorb auf den Turm. Dort steigt er unter strengen Sicherheitsvorkehrungen in den Bagger um.

Der 26 Tonnen schwere Meißelbagger wird in einem eigens für dieses Projekt angefertigten Stahlkäfig auf den ehemaligen Förderturm gebracht. Dafür muss der Raupenkran viel Kraft und vor allem Gegengewicht aufbringen: er wiegt 600 Tonnen.

Der im Stahlkäfig fixierte Meißelbagger arbeitet sich dann vom Dach des 101 Meter hohen Turms Schritt für Schritt nach unten – er "knabbert" ihn bis auf 70 Meter ab, das Abbruchmaterial soll möglichst nach innen abfallen.

Ist der Schachtturm auf 70 Meter Höhe abgetragen, soll ein Seilbagger den Rest abreißen. Dieser Seilbagger inklusive 3-Tonnen-Abrissbirne steht bereits auf dem Gelände. Der Schachtturm Rossenray soll bis Ende 2020 komplett zurückgebaut sein.

1966: Schweres Grubenunglück mit 16 Toten

Die erste Kohle wurde im Bergwerk Rossenray 1963 gefördert – eine Zeit, zu der sich der Bergbau schon in einer Krise befindet. Nur drei Jahre später kommt es auf Rossenray zu einem schweren Grubenunglück: 16 Bergmänner sterben bei einer Schlagwetter-Explosion. Ein schwarzer Tag für den noch jungen Betrieb. 1968 wird Rossenray Teil der neu gegründeten Ruhrkohle AG, pro Jahr werden 950.000 Tonnen Kohle gefördert.

2012 wird letzte Kohle gefördert

2012 wird der Betrieb der Zeche eingestellt, 2016 ist es dann soweit: Auf der rund 32.000 Quadratmeter großen Fläche beginnen die Abrissarbeiten von Gebäuden, Anlagen und Fördertürmen. Die Sieberei, ein Anbau des Schachtturms Rossenray, wird dann 2019 in Schutt und Asche gelegt. Mit dem Abriss des markanten Förderturms verschwindet nun ein Teil sichtbarer Bergbau-Geschichte.

Ursprünglich sollten die Abrissarbeiten bis zum Frühjahr 2018 beendet sein, aktuell ist Ende 2020 geplant. Dann soll die Fläche für Gewerbe, Industrie und Logistik genutzt werden. Auf Teilflächen befinden sich bereits Logistikcenter eines Discounters und Bäckers.

Stand: 21.01.2020, 12:09