Junge Kirche: Quoten, Popmusik und der Kampf gegen Armut

Teilnehmerinnen der ersten Jugendsynode der Evangelischen Kirche im Rheinland am 06.01.2019

Junge Kirche: Quoten, Popmusik und der Kampf gegen Armut

  • Landessynode der evangelischen Kirche im Rheinland tagt
  • Junge Leute wollen sich mehr einbringen
  • Interview mit Studentin Fiona Paulus

Noch bis Freitag (11.01.2019) tagt die Landessynode der evangelischen Kirche im Rheinland. Dabei geht es um die Zukunft der Kirche, aber auch den Einfluss junger Leute. Fiona Paulus ist eine, die mitredet. Die 21-jährige Studentin hat zuvor die erste Jugendsynode mitorganisiert und trägt die Ideen junger Leute weiter.

WDR: Welche konkreten Forderungen stellen die Mitglieder aus der Jugendsynode?

Fiona Paulus: Wir sehen großen Handlungsbedarf im Bereich Jugendarmut. Da muss sich ganz viel auf politischer Ebene ändern. Häufig verfällt der Anspruch auf Unterstützung mit dem 18. Lebensjahr, dann muss wieder ein neuer Antrag gestellt werden. Es gibt eine wahnsinnige Bürokratie, die gleichzeitig eine unglaubliche Hürde ist. Besonders groß ist die Armutsgefährdung bei 18- bis 25-Jährigen, wenn sie aus der Förderung fallen, keine Ausbildung bekommen oder sogar obdachlos werden.

WDR: Was passiert jetzt mit der Forderung?

Fiona Paulus: Ich habe gerade zwei Tage lang in einem Ausschuss gesessen und dann bei der Landessynode einen Antrag zur Jugend- und Familienarmut eingereicht. Darin wird die Kirchenleitung beauftragt, eine öffentliche Forderung an die Politik zu geben. Aber auch die Kirchengemeinden sind aufgefordert, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Das wird nicht übermorgen fertig sein, aber für mich ist klar, dass da was passieren wird.

Fiona Paulus

Die 21-jährige Fiona Paulus studiert Physik und ist die stellvertretende Vorsitzende der evangelischen Jugend im Rheinland. Sie hat im Januar 2019 die erste Jugendsynode mitorganisiert.

WDR: Es wird auch viel über Jugendquoten in Kirchengremien gesprochen. Ein Muss?

Fiona Paulus: Ich bin generell kein Freund von Quoten. Ich glaube, dass junge Leute nicht in Gremien kommen sollten, nur weil sie jung sind, sondern weil sie qualifiziert sind. Ich möchte nicht, dass die Leute nur gefragt werden, weil sie gefragt werden müssen, sondern weil ihre Meinung echt gewollt ist.

WDR: Haben Sie das Gefühl, dass sich junge Leute heute wieder mehr für Kirche interessieren oder muss man sie eher mit neuen Ideen wieder zurückholen?

Fiona Paulus: Wir müssen eine neue Gemeindeform entwickeln, um Menschen aus komplett anderen Lebenswelten anzusprechen. Gerade nach der Konfirmation haben Jugendliche eigentlich ein Interesse an Kirche. Wir müssen sie nur halten und ihnen gute Erinnerungen geben.

WDR: Aber wie?

Fiona Paulus: Da gibt es zum Beispiel die Jugendkirchen, die sind nicht an den Wohnort gekoppelt, sondern an eine Aktivität. Da gibt es Theater- und Boulderprojekte oder kirchliche Popmusik. Mit Musik kann man überhaupt ganz viel erreichen, was man mit Sprache manchmal nicht kann.

Das Gespräch führte Katja Goebel.

Stand: 11.01.2019, 06:00

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