Jüdischer Professor kritisiert Bonner Ermittlungsbehörden

12.07.2018: Blick in den Bonner Hofgarten.

Jüdischer Professor kritisiert Bonner Ermittlungsbehörden

Von Christoph Hensgen

  • Jüdischer Professor vergangenes Jahr in Bonn angegriffen
  • Ermittlungen wurden eingestellt
  • Professor fordert unabhängige Untersuchung

Der jüdische Professor Yitzhak Melamed hat deutsche Ermittlungsbehörden scharf kritisiert. Grund ist die Einstellung eines Verfahrens durch die Bonner Staatsanwaltschaft.

Die hatte Ermittlungen gegen vier Polizisten wegen des Verdachts der Körperverletzung und versuchten Strafvereitelung im Amt mangels Tatverdacht beendet. Während eines Bonn-Besuchs war der Hochschullehrer aus den USA im vergangenen Jahr irrtümlich von Polizisten überwältigt worden.

Professor fordert unabhängige Untersuchung seines Falls

In einer ersten Reaktion bezeichnet der amerikanische Philosophie-Professor das deutsche Polizeisystem als – so wörtlich – "rassistisch und korrupt". Melamed war vor der Bonner Universität von einem Mann attackiert worden.

Die Polizisten hielten den Hochschullehrer irrtümlich für den Angreifer und überwältigten ihn. Da er sich gewehrt habe, habe man ihm zwei Mal ins Gesicht geschlagen, so die Beamten.

Der Professor selbst sagt, dass er sich absolut passiv verhalten habe. Trotzdem sei er Dutzende Male geschlagen worden. Die Beamten hätten außerdem später versucht, ihn von einer Beschwerde abzubringen. Yitzhak Melamed fordert eine unabhängige Untersuchung seines Falls.

Staatsanwaltschaft: Vorgehen der Polizisten gerechtfertigt

Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher, dass das Vorgehen der vier Beamten im Juli 2018 nach Polizeirecht gerechtfertigt war. Die vier Polizisten hätten sich im Rahmen ihrer Befugnisse bewegt.

Schließlich habe sich der Professor tatkräftig gewehrt. So stark, dass sie auch rechtliche Schritte gegen den Wissenschaftlergeprüft hat: Die Ermittlungen wegen des Verdachts des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte wurden aber ebenfalls eingestellt.

Gewalt gegen Polizisten nimmt zu

Tatsächlich gibt es bundesweit jährlich mehr als 2.000 Anzeigen gegen Polizisten wegen rechtswidriger Gewalt. Fast 90 Prozent der Verfahren werden aber wieder eingestellt. Zu einer Anklage bei Gericht kommt es sogar nur in knapp drei Prozent der Fälle.

Aber auch die Gewalt gegen Polizisten hat in den vergangenen Jahren immer weiter zugenommen: Mehr als 70.000 Beamte wurden 2017 verbal oder körperlich attackiert. Mehr als 4.500 von ihnen wurden Opfer von Gewalttaten.  

Stand: 19.03.2019, 15:33

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