Nach Haltern: RWE schaltet Windräder in Jüchen ab

Die sechs Windräder des Windparks "Jüchen A44n": RWE und der Hersteller haben diese Windräder abgeschaltet.

Nach Haltern: RWE schaltet Windräder in Jüchen ab

Nach dem Einsturz eines Windrades in Haltern am See hat RWE mehrere baugleiche Windräder in Jüchen im Rhein-Kreis Neuss abgeschaltet.

Nach dem plötzlichen Einsturz eines neuen Windrads in Haltern hat RWE sechs baugleiche Anlagen des Windparks "Jüchen A44n" im Rhein-Kreis Neuss vom Netz genommen. "Obwohl die genaue Schadensursache des Ereignisses in Haltern noch nicht geklärt ist, haben RWE und der Hersteller des Windparks das Gelände in Jüchen unverzüglich weiträumig abgesperrt", hieß es. Das Windrad in Haltern wird von einer anderen Gesellschaft betrieben.

Schaden an einem Windrad schon im August

Nach Angaben von RWE war schon im August ein Schaden am Turm eines der Windräder in Jüchen festgestellt worden. Diese noch nicht in Betrieb genommene Anlage sei damals vorsorglich umgehend stillgelegt worden, teilte der Energiekonzern RWE als einer der Betreiber des Windparks Jüchen mit.

Der Schaden sei gemeinsam mit dem Hersteller Nordex begutachtet und eine Neuberechnung der Statik angefordert worden. So sei mit dem Hersteller der Abbau der Rotorblätter, des Maschinenhauses und von Teilen des Turmes der Anlage vereinbart worden, hieß es weiter. Der Rückbau durch den Hersteller soll laut RWE im Oktober erfolgen.

Aktuell stehen alle sechs Windräder still

Die weiteren fünf Windräder seien vorsorglich abgeschaltet worden. Sie befänden sich noch in einer Testphase. Der Windpark sollte Ende des Jahres vom Hersteller an RWE übergeben werden. Nordex sei somit laut der RWE-Sprecherin für etwaige Reparaturen und Instandsetzungen verantwortlich.

Inwieweit sich die Übergabe nun verzögert ist laut RWE noch unklar. Das Modell des Herstellers nutze das Energieunternehmen nur in Jüchen. Das Unternehmen erwartet für sich daher keine weiteren Auswirkungen.

BUND vermutet statische Fehler

Thomas Krämerkämper aus dem NRW-Vorstand des BUND spricht bei dem Modell des Herstellers Nordex von einer seltenen Bauweise in Deutschland. Der Fuß des Turms sei eckig, auf den ersten hundert Metern aus Beton und gehe dann in Stahl über.

Als Grund für den Unfall in Haltern, bei dem Ende September ein Windrad umgestürzt war, kann sich Krämerkämper eher statische Fehler als Materialschwächen vorstellen. Das bleibe aber Spekulation, bis die Untersuchungen zur Ursache abgeschlossen seien.

Zu diesen Vermutungen äußert sich auch der Hersteller der Turbinen selbst. Laut Nordex ist es die erste Havarie eines solchen Turbinenmodells. Eine Aussage zur Ursache könne aktuell noch nicht getroffen werden. Die Aufarbeitung mit Technikern vor Ort laufe.

Größten Windräder in Deutschland

Der Windpark ist ein Gemeinschaftsprojekt von RWE, der Stadt Jüchen und dem Mönchengladbacher Energieversorger NEW. Er steht auf einer rekultivierten Fläche des Braunkohletagebaus Garzweiler an der A44. Die Windräder zählen zu den deutschlandweit höchsten an Land: Sie haben eine Nabenhöhe von 164 Metern, die Rotorblätter erreichen eine Höhe von bis zu 239 Metern.

Stand: 04.10.2021, 16:38

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