Der Fall Jenny Böken: Sexueller Übergriff auf einer Party?

Matrose Jenny Böken steht auf dem Segelschulschiff der Marine, "Gorch Fock" an der Schiffsglocke.

Der Fall Jenny Böken: Sexueller Übergriff auf einer Party?

Von Thomas Wenkert

  • Eidesstattliche Erklärung: Tat an Bord
  • Eltern hoffen auf Wiederaufnahme des Verfahrens
  • Seit zehn Jahren immer neue Ungereimtheiten

Seit zehn Jahren wollen die Eltern von Jenny Böken wissen, was in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2008 an Bord des Segelschulschiffs "Gorch Fock" wirklich passiert ist. Damals ging die 18 Jahre alte Offiziersanwärterin während einer Nachtwache über Bord. Elf Tage später wurde ihre Leiche vor Helgoland geborgen.

Bis heute sprechen Staatsanwaltschaft Kiel und Marine von einem Unglück. Daran haben die Eltern immer gezweifelt. Jetzt fordert die Familie aus Geilenkirchen bei Aachen die Wiederaufnahme der Ermittlungen.

Mindestens Verdacht des Totschlags

Ein Zeuge hat sich bei der Familie gemeldet und im August eine eidesstattliche Erklärung abgegeben. "Die Aussage, die unter Eid geleistet wurde, ist sehr deutlich. Sie spricht von einem Geschehen unmittelbar an Bord. Zur damaligen Zeit um Jenny Böken. Sie hat auch eine Vorgeschichte zum Gegenstand", sagt Rainer Dietz, Anwalt der Familie in einem WDR-Interview.

Seiner Meinung nach begründet die Zeugenaussage mindestens den Verdacht eines Totschlags. Der Zeuge selber habe das Wort "Mord" in den Mund genommen. Die Frage wird natürlich jetzt auch sein, wie glaubwürdig dieser neue Zeuge ist.

Vorwurf: Marine hält vieles unter Verschluss

Bis heute ist der Fall "Jenny Böken" bei der Marine Verschlusssache. Rund  um den Tod der Offiziersanwärterin gibt es aber immer wieder Spekulationen. In der Lunge von Jenny wurde kein Wasser gefunden – das kann darauf hinweisen, dass die 18-Jährige schon tot war, als sie ins Wasser fiel. Außerdem fehlt bis heute Jennys privates Tagebuch.

Die jetzt vorliegende Aussage gibt einige Antworten. Der Vater von Jenny, Uwe Böken, erklärte in einem Gespräch mit dem WDR, dass der Zeuge von einer Vergewaltigung spricht und von einer möglichen Schwangerschaft seiner Tochter.

Sexueller Übergriff bei einer Party?

Der damalige Bundeswehrsoldat soll Jenny Böken zunächst privat kennengelernt haben. Er habe von Mobbing gegen die Kadettin gewusst. Kurz bevor die Fahrt der Gorch Fock begann, soll es bei einer Party, an der auch andere Besatzungsmitglieder teilgenommen haben sollen, zu einem sexuellen Übergriff gekommen sein. Der sei auch gefilmt worden. Weil Jenny Böken gedroht habe, das anzeigen zu wollen, sei sie schließlich erdrosselt worden.

Hoffnung auf neue Ermittlungen

Bisher ist die Familie mit sämtlichen Anträgen auf Wiederaufnahme von Ermittlungen gescheitert. Doch jetzt ist die Hoffnung groß – dass zehn Jahre nach dem Tod von Jenny endlich neue Ermittlungen starten.

Die Familie hofft natürlich auch, dass sich weitere Zeugen melden werden. Denn alle Straftaten, etwa Beihilfe, wären nach zehn Jahren verjährt – nur ein Kapitalverbrechen nicht.

Stand: 04.09.2018, 11:57