Karnevals-Gottesdienst: Kölsche Tön und deutliche Kritik

Verkleidete Jecke beim Gottesdienst in der Agneskirche.

Karnevals-Gottesdienst: Kölsche Tön und deutliche Kritik

In Köln haben etwa 100 Jecken um 11.11 Uhr Rosenmontag gefeiert – verkleidet in der St. Agnes Kirche. Der Karnevalsgottesdienst wurde auch von einigen Kölner Künstlern unterstützt.

Ein bisschen melancholisch, aber vor allem tröstend und hoffnungsvoll: Das sollte der Karnevals-Gottesdienst in der Kölner Agneskirche sein.

Künstler wie Stefan Knittler und Stefan Brings sorgten mit ihren Liedern für die passende Stimmung und Kabarettist Jürgen Becker für die passenden Worte: Denn trotz Frohsinn und Heiterkeit am Rosenmontag müsse eine Predigt „den Finger in die Wunden der Zeit legen“, so Becker. Und die Wunden sind im Kölner Erzbistum offensichtlich.

Umgang mit Missbrauch auch Thema an Karneval 

Seit Monaten hält Kardinal Woelki ein Gutachten zu Missbrauchsfällen im Erzbistum unter Verschluss und schweigt zu sämtlichen Medienanfragen. Zahlreiche Kirchenaustritte sind die Folge. Viele Ehrenamtliche distanzieren sich.

Da wird die Kirchensteuer zur Gewissensfrage“, so Becker, „Wer will da noch mitmachen?“. Der Kabarettist forderte einen Wertewandel in der katholischen Kirche und Frauen in wichtigen Ämtern – und bekam dafür Szenenapplaus von den etwa Hundert Kirchenbesuchern.

Kirche und Karneval gehören zusammen

Mit dem Karnevals-Gottesdienst und seinen Stimmen zeigte die Kölner Gemeinde St. Agnes Haltung und trifft damit auf eine Tradition des kölschen Fasteleers – auch wenn in diesem Jahr wegen der Pandemie keine Mottowagen mit deutlichen Botschaften durch die Kölner Innenstadt ziehen können.

Die Besucher waren vom Karnevals-Gottesdienst begeistert und kamen durch die kölschen Töne von Knittler und Brings doch noch ins Schunkeln.

Jürgen Becker spricht beim jecken Gottesdienst in der Agneskirche.

Jürgen Becker spricht beim jecken Gottesdienst in der Agneskirche.

Spenden gehen in die Kölner Karnevalsszene

Alle Spenden, die in der Kirche gesammelt wurden, gehen an das Kölner Projekt „Mer loße üch nit allein“. Die Aktion unterstützt Künstler, Crews, Tanzgruppen und Karnevalsvereine, die durch die Corona-Pandemie in diesem Jahr kaum Einnahmen haben.

Stand: 15.02.2021, 14:52