Jahrhundertregen zerstört Infrastruktur

Straße, Bahn, Infrastruktur: Das Ausmaß der Hochwasserschäden 02:45 Min. Verfügbar bis 20.07.2022

Jahrhundertregen zerstört Infrastruktur

Von Christoph Hensgen

Noch werden zahlreiche Menschen vermisst. Einsatzkräfte in NRW und Rheinland-Pfalz geben die Hoffnung nicht auf, suchen nach Überlebenden. Diese Suche wird vielerorts durch chaotische Zustände erschwert.

Eingestürzte Brücken, zerstörte Bahnschienen, weggespülte Straßen, kaputte Fahrbahnen auf Autobahnen: Der Jahrhundertregen hat die Infrastruktur teilweise für Monate, sogar Jahre zerstört.

In Altenburg im Ahrtal türmt sich der Schutt über und unter dem Bahngleis, das über die Ahr läuft. Die Schienen wurden von den Wassermassen ausgehebelt. Es wird sehr lange dauern, bis hier wieder ein Zug fahren kann. Auch für Autos gibt es keinen Weg über den Fluss. Die Brücke ist eingestürzt.

Ahrtalbahn auf zehn Kilometern zerstört

Die Ahrtalstrecke ist auf einer Länge von zehn Kilometern zerstört. Sieben Brücken sind eingestürzt. In Altenahr liegen große Hindernisse auf den Schienen. Ob die Strecke je wieder aufgebaut werden kann, das weiss momentan noch niemand.

Kein Durchkommen auch auf dem Landweg: Wenn man das Zentrum der Stadt verlassen möchte, kommt man nicht weit. Ein paar Meter hinter dem Tunnel – ein riesiger Abgrund. Seit Mittwochnacht ist die Straße nicht mehr da - weggerissen vom Wasser.

Versorgung teilweise noch immer per Hubschrauber

Zerstörtes Ahrtal

Unterspültes Haus in Altenahr

"Wir haben Orte, da haben wir einen Zugang über Land gefunden. Das sind aber Waldwege, die eigentlich nicht befestigt sind", schildert Cornelia Weigand, die parteilose Bürgermeisterin von Altenahr. "Das heisst Lieferungen für einige Ortslagen kommen teilweise immer noch mit dem Hubschrauber. Für 500 bis 600 Leute, die kein Wasser, kein Strom, keine Lebensmittel, keine Funkverbindung haben."

Feuerwehr fehlt es an Material und Einsatzwagen

Trümmer vor einer Häuserzeile in Altenahr

Trümmer liegen in den Straßen von Altenahr

Mit Straßen wäre der Job für die Einsatzkräfte im Ahrtal schon schwer genug. Ohne Infrastruktur und mit kaputten Autos ist die Arbeit beinahe nicht zu bewältigen. "Wir haben Totalverluste von Feuerwehr-Gerätehäusern, wir haben Totalverluste von Feuerwehr-Fahrzeugen", erklärt Frank Linnarz, stellvertretender Feuerwehrinspektor im Landkreis Ahrweiler. Und weiter: "Wir haben auch schon Hilfsangebote was die Ausrüstung angeht. Dass uns die kostenlos zur Verfügung gestellt wird. Aber die Infrastruktur – das wird lange, lange dauern, bis wir hier, im Ahrtal, wieder ein geordnetes Leben leben können."

Zentrale Verbindungen gekappt

In Bonn und der Region hat der Jahrhundertregen viele zentrale Verbindungen gekappt. Unter anderem die A 1 und die A 61. Dazu zahlreiche Bundes- und Landstraßen. Die A 61 ist zwischen den Kreuzen Meckenheim und Kerpen komplett gesperrt. Weil es zum Beispiel in Swisttal keine Fahrbahn mehr gibt. Weggerissen vom Schießbach, der unter der Autobahn durchfließt.

Gläser vor einem Restaurant mit Schlamm überzogen

Eine Schlammschicht liegt über Altenahr

"Seit ein paar Tagen schon prüfen unsere Teams die Lage vor Ort. Aktuell auch mit Unterstützung externer Gutachter", sagt Sebastian Bauer von der Autobahn GmbH Rheinland. "Was für Schäden gibt es, welche Maßnahmen sind erforderlich, um sie so schnell wie möglich zu beheben. Wie lange das alles dauern wird, können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen." Experten gehen davon aus, dass es mindestens mehrere Wochen dauert, bis alles wieder so läuft wie vor dem Jahrhundertregen.

Zwischen Köln und Koblenz fahren wieder Züge

Erste gute Nachrichten gibt es von der Bahn. Nach drei Tagen Stillstand zwischen Kön und Koblenz rollen auf der Strecke wieder Züge. Probleme am Stellwerk in Bonn wurden behoben. Es kommt noch zu Unregelmäßigkeiten im Fahrplan, aber immerhin läuft’s…
 

Stand: 20.07.2021, 09:59