NSU-Nagelbombenanschlag: Gedenken trotz Hetze

NSU-Nagelbombenanschlag: Gedenken trotz Hetze

  • 15 Jahre nach Anschlag in Kölner Keupstraße
  • Anwohner unzufrieden mit Aufarbeitung
  • 22 Menschen wurden beim Anschlag verletzt

Am 9. Juni 2004 explodierte eine Nagelbombe in der Kölner Keupstraße - sie ist als Zentrum des türkischen Geschäftslebens bekannt. Am Sonntag (09.06.2019) erinnerten einige Hundert an die Tat, zu der sich die Neonazi-Terrorzelle NSU erst spät bekannte.

Um 15.56 Uhr versammelten sich Anwohner und Gäste zur Schweigeminute. Zu diesem Zeitpunkt war vor 15 Jahren die Nagelbombe explodiert. 22 Menschen wurden verletzt, vier davon schwer. Nun stiegen 15 Friedenstauben in der Keupstraße auf.

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Verunsicherung durch Drohbriefe

Für Verunsicherung sorgen bei der Gedenkfeier Drohbriefe, die Unbekannte in den vergangenen Tagen in Briefkästen und in Geschäften in der Umgebung der Keupstraße hinterlassen hatten. In den Flugblättern wurden Muslime aufgefordert, Deutschland zu verlassen - andernfalls müssten sie mit Angriffen rechnen.

In Reden verurteilten Politiker, Anwohner und Vertreter muslimischer Organisationen die Drohungen scharf. Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) bezeichnete die Briefe als "widerwärtige Aktion" und als das "abscheuliche Gedankengut rechtsextremer Spinner".

Ernüchtert von Aufklärung

Bei einer Diskussionsveranstaltung im Schauspielhaus in Köln-Mülheim zeigte sich, dass viele Anwohner mit der Aufarbeitung der NSU-Verbrechen unzufrieden sind. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) versprach eine "lückenlosen Aufklärung".

Teilnehmer einer Schweigeminute erinnern mit Plakaten auf der Kölner Keupstrasse am 15. Jahrestag an den NSU-Nagelbombenanschlag

Der Komiker Ususmango sagte, als er gehört habe, dass beim Verfassungsschutz Akten zu V-Leuten in der Neonazi-Szene vernichtet worden seien, habe sich seine Einstellung gegenüber den Rechtsstaat geändert. "Ganz ehrlich, da war ich raus." Das führe dann dazu, dass man sich nicht mehr engagiere und die Haltung entwickle, "die da oben" machten sowieso, was sie wollten.

Für Ärger sorgt am Tag des Gedenkens auch, dass es 15 Jahre nach dem Anschlag immer noch kein Mahnmal gibt.

NSU zündete Bombe

Am 9. Juni 2004 explodierte in der Keupstraße eine ferngezündete Nagelbombe. Die Polizei ging nach dem Anschlag von einer Abrechnung im kriminellen türkischen Milieu aus.

In Richtung Rechtsextremismus wurde nicht ermittelt. Erst sieben Jahre später hatte sich der NSU zur Tat bekannt.

Anschlag Keupstraße - Informationen verschwiegen? Lokalzeit aus Köln 08.11.2012 03:21 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR

Stand: 09.06.2019, 17:53