Viele Asiaten in Düsseldorf von Diskriminierung betroffen

Türschild der Antidiskriminierungsstelle der Bundesrepubik Deutschland in Berlin

Viele Asiaten in Düsseldorf von Diskriminierung betroffen

Die Anfragen an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sind 2020 sprunghaft angestiegen. In Düsseldorf berichten vor allem Menschen mit asiatischen Wurzeln von Anfeindungen wegen Corona.

"Die Eltern meiner Freundin wurden auf offener Straße beleidigt und angespuckt" oder "Manche Jugendliche am Bahnhof, die sehen mich an und sagen einfach ,Corona'" oder Sprüche wie: "Sind die doch selber Schuld, wenn die alles essen, wer isst denn Fledermäuse? Sollen die doch sterben", so beschreiben Menschen mit asiatischen Wurzeln aus Düsseldorf in einer WDR-Umfrage die rassistischen Anfeindungen, die sie schon erleben mussten.

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Jahresbericht der Antidiskriminierungsstelle veröffentlicht

Allein sind die Asiaten in Düsseldorf mit diesen Erlebnissen nicht. Wie aus dem aktuellen Jahresbericht der Antidiskriminierungsstelle des Bundes für 2020 hervorgeht, stiegen die Anfragen wegen Diskriminierung im vergangenen Jahr um 79 Prozent. Gingen 2019 noch 1.176 Anfragen ein, riefen 2020 wegen Diskriminierung 2.101 Menschen dort an. 41 Prozent aller Anrufe kamen 2020 von Menschen mit Behinderungen. Zeitweise musste die telefonische Beratung sogar wegen Überlastung eingestellt werden.

Anfeindungen gegen Menschen mit asiatischen Wurzeln wegen Corona

Mit über 6.200 Menschen ist die japanische Gemeinschaft in Düsseldorf die größte Deutschlands. Zu ihnen gehört auch der 28-jährige Lim, der in einem vietnamesischen Bubble-Tea-Laden arbeitet. Gegenüber unserer Redaktion beschreibt er eine solche Situation: "Letztens habe ich einfach in einer Schlange gewartet, als eine Frau auf mich zukam und sagte: 'Ihr Chinesen habt Corona hier hin gebracht, geht einfach in euer Land zurück'."

Antiasiatischer Rassismus in Deutschland

WDR 5 Morgenecho - Interview 11.05.2021 06:37 Min. Verfügbar bis 11.05.2022 WDR 5


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Kim aus Düsseldorf erzählt: "Wenn ich in den Bus eingestiegen bin, haben sich die Leute weggesetzt, auch bei so Sachen, wie wenn ich gehustet habe." Mittlerweile habe sie innerlich eine Mauer aufgebaut, um sich die Anfeindungen nicht mehr so zu Herzen zu nehmen.

Beratungsanfragen steigen um fast 80 Prozent

Diskriminierung ist weiter ein wachsendes Problem. Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes schreibt, die Zahl der Beratungsanfragen sei im Vergleich zum Vorjahr so stark gestiegen wie noch nie. In rund 6.400 Fällen habe man rechtliche Auskunft erteilt, Stellungnahmen eingeholt, oder gütliche Einigungen vermittelt.

Corona-Pandemie schürt Beratungsbedarf

"Einen derart drastischen Anstieg der Beratungsanfragen haben wir noch nie erlebt. Der Trend der Zunahme insbesondere von Beschwerden rassistischer Diskriminierungen hat sich im Jahr des schrecklichen Anschlags von Hanau und der Black-Lives-Matter-Proteste noch einmal verstärkt", sagt Bernhard Franke, Leiter der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Franke erklärt die gestiegene Nachfrage aber auch teilweise durch "ein gestiegenes gesellschaftliches Bewusstsein für Diskriminierung." Immer mehr Menschen würden so aktiv nach Beratung suchen.

Stand: 11.05.2021, 17:42

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