23 Jahre Jagd auf den Mörder von Claudia Ruf

Vermisste Claudia Ruf

23 Jahre Jagd auf den Mörder von Claudia Ruf

  • Cold Case mit heißer Spur
  • Fall begleitet viele Beamte ihr gesamtes Berufsleben
  • Vermutlich kein Serientäter

Mit mehr als 50 Polizisten aus Neuss und Bonn wird in diesen Tagen erneut intensiv nach dem Mörder der 11-jährigen Claudia Ruf gefahndet. Das Mädchen war 1996 aus dem Grevenbroicher Ortsteil Hemmerden verschwunden. Ihre  Leiche wurde  zwei Tage später in Euskirchen-Oberwichterich gefunden. Das ungewöhnliche an dem Fall ist die Tatsache, dass viele der Ermittler schon 1996 in der Mordkommission gearbeitet haben. Der Fall lässt die Beamten auch 23 Jahre danach nicht zur Ruhe kommen.

23 Jahre Spurensuche

Reinhold Jordan hat schon viele Mordfälle aufgeklärt. Jede Ermittlung verläuft anders, weiß der Leiter der Mordkommission aus Erfahrung. Auf einem Feld in Euskirchen-Oberwichterich wurde im Mai 1996  Claudia Rufs Leiche gefunden. Sie war sexuell missbraucht und dann getötet worden. Ihre Leiche war unbekleidet und zum Teil verbrannt.

Jordan weiß nicht mehr, wie oft er in den vergangenen 23 Jahren auf diesem Feld stand. In Gedanken versunken, warum der Täter ausgerechnet hier die Leiche ablegte.

Gemeinsame Mordkommission Neuss-Bonn

Da Claudia Ruf in Grevenbroich verschwand und in Euskirchen gefunden wurde, arbeiteten von Anfang an, Mordermittler der Polizeidienststellen Neuss und Bonn zusammen. Zu manchen Zeiten mehr als 100 Beamte in der Mordkommission Ruf. In Bonn liefen die Fäden zusammen, zum Beispiel bei Mordermittler Andreas Müller.

Chefprofiler war von Anfang an dabei

Der Fall Claudia Ruf nimmt einen wichtigen Teil im Berufsleben von Andreas Müller ein. Er verfolgt ihn bis heute. Andreas Müller ist weit gekommen in seinem Berufsleben. Er ist heute Chefprofiler des Landeskriminalamts in Düsseldorf und leitet auch die Abteilung Cold Cases, die sich um ungeklärte Mordfälle kümmert. Die Datenbank umfasst derzeit 1.000 Fälle von 1970 bis heute.

Heiße Spur

Der Fall Claudia Ruf ist im Moment kein Cold Case, kein kalter Fall. Im Gegenteil. Nach 23 Jahren stehen die Mordermittler plötzlich vor einem möglichen Durchbruch. Und das, nachdem tausende Spuren verfolgt wurden und im Nichts endeten.

Der forensische Psychologe Andreas Mokros, der an der Fernuni Hagen lehrt, brachte die Ermittlungen aktuell mit voran. Mokros, gebürtiger Franke, kannte den Fall nur aus den Archiven. Zur Tatzeit war er noch Student.

Er erforschte diesen Sommer das mögliche Täterprofil und kam zu dem überraschenden Ergebnis, dass sich die Suche nicht auf einen Serientäter konzentrieren muss. Mokros geht vielmehr von einem Täter mit einem starken Bezug zum Grevenbroicher Ortsteil Hemmerden aus, der tatsächlich nur dieses eine Mal eine so schwere Straftat beging und dann abtauchte. Jetzt aber sei er in die Enge getrieben und habe Angst vor Entdeckung.

Endlich abschließen

Mit der neuen Fahndungsoffensive sind bereits 50 neue Hinweise bei der MK Ruf eingegangen. Am kommenden Samstag beginnt ein DNA-Massentest in Hemmerden. Im Bonner Polizeipräsidium gibt es kaum ein anderes Thema. 1996 standen viele Beamte der Mordkommission am Anfang ihrer Karrieren. Jetzt denken manche schon an den Ruhestand. Der Fall hat also fast alle ihr Berufsleben über verfolgt.

Auch Reinhold Jordan möchte mit dem Fall abschließen. Wie seine Kollegen will auch er endlich wissen, wer Claudia Ruf getötet hat.

Stand: 19.11.2019, 12:29

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