Iraner verlässt nach einem Jahr Kirchenasyl Solingen

Solinger Kirchengemeinde versucht Abschiebung zu verhindern Lokalzeit Bergisches Land 07.01.2019 02:21 Min. Verfügbar bis 07.01.2020 WDR Von Timo Spicker

Iraner verlässt nach einem Jahr Kirchenasyl Solingen

  • 28-jähriger Iraner verlässt Solinger Kirchenasyl
  • Gemeinde hatte Abschiebung verhindert
  • Aufenthaltsort des konvertierten Christen unbekannt

Ein 28-jähriger Iraner hat am Mittwoch (13.03.2019) das Kirchenasyl in einer evangelischen Solinger Gemeinde verlassen. Der Evangelische Kirchenkreis Solingen erklärte am Freitag (15.03.2019), ihm sei der Aufenthaltsort des jungen Mannes unbekannt. Im Januar hatten Gemeindemitglieder eine Abschiebung des konvertierten Christen verhindert.

Unerwartetes Ende

Solinger Christen verhindern Abschiebung eines Iraners

Die Solinger Gemeinde hatte eine Abschiebung im Januar verhindert

Dass der 28-Jährige sein Kirchenasyl verlassen habe, sei für die Verantwortlichen der Gemeinde gänzlich unerwartet gekommen, erklärte der Kirchenkreis. Die Gemeinde habe die zuständige Ausländerbehörde bereits informiert. Den Iraner selbst habe man nicht erreichen können.

Asylantrag war abgelehnt worden

Der Mann war 2016 über Frankreich nach Deutschland gekommen. Er habe befürchtet, in seiner Heimat Verfolgung oder sogar der Todesstrafe ausgesetzt zu werden, weil er zum Christentum konvertiert war. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) lehnte seinen Asylantrag als religiös Verfolgter allerdings ab und ordnete seine Abschiebung nach Frankreich an. Als Vertreter der Ausländerbehörde im Januar die Gemeinde ohne Durchsuchungsbeschluss aufsuchten, um ihn abzuschieben, brachten mehr als 200 Menschen mit Kerzen und einer Andacht ihre Unterstützung für den Mann zum Ausdruck.

Gemeinde buchte Flug

Vertreter der Gemeinde und der rheinischen Landeskirche erreichten nach eigenen Angaben eine neue Frist für den Mann. Der habe sich letztlich bereit erklärt, freiwillig nach Frankreich auszureisen, um einer Abschiebung zuvor zu kommen. Die Kirche organisierte dem 28-Jährigen französische Unterstützung in Toulouse. Die Ausländerbehörde wurde der Gemeinde zufolge über die Pläne am Dienstag (12.03.2019) informiert, zudem sei ein Flug für den Mann gebucht worden. "Gleichwohl haben wir weiterhin seine Zerrissenheit und seine Angst vor einer Kettenabschiebung zurück in den Iran gespürt", erklärte Gemeindepfarrer Christian Lerch.

Stand: 15.03.2019, 14:42