Stolberger Stadtarchivar: "Irgendwann war Land unter"

Stadtarchivar der Stadt Stolberg in zerstörtem Archiv

Stolberger Stadtarchivar: "Irgendwann war Land unter"

Das Hochwasser hat das Stadtarchiv von Stolberg schwer getroffen. Stadtarchivar Christian Altena äußert sich im WDR-Interview zu den bis jetzt bekannten Schäden.

WDR: Herr Altena, wie haben sie die Hochwassernacht erlebt?

Christian Altena: Wir waren mittendrin, weil die Regensituation natürlich keinen Feierabend zuließ. Ich war zunächst guter Dinge, dass das Archiv nicht überschwemmt werden würde. Das hat sich dann schnell erledigt. Wir haben dann versucht, Dinge zu bergen, aber dann war irgendwann Land unter und wir merkten, dass es irgendwann kein Spaß mehr ist. Und dann war es Panik, Schock und Horror.

WDR: Was bedeutet es persönlich auch für einen Archivar, wenn das eigene Archiv vor der Zerstörung steht?

Altena: Für mich ist es natürlich eine Katastrophe, weil ich damit ja täglich arbeite und vermittle. Man sieht eben eine Katastrophe auf sich zu kommen, deren Ende und Ausweg man nicht wirklich absehen kann.

WDR: Welchen ideellen Wert haben die Dokumente im Stolberger Stadtarchiv?

Altena: Wie in jedem Stadtarchiv sind sie von unschätzbarem Wert, weil es nicht zu ersetzen ist. Archivgut ist einmalig, also man kann es nicht neu erwerben. Das bedeutet, man muss es erhalten, man muss es bergen und alles dafür tun, weil man ansonsten nicht mehr Geschichte erzählen kann, als das was bereits erforscht ist. Das sind die Quellen der Geschichtsarbeit.

WDR: Können Sie schon einschätzen, was alles gerettet werden kann und was sicher verloren gegangen ist?

Stadtarchiv Stolberg nach Hochwasser

Altena: Also verloren sind Sammlungsbestände, um die es mir natürlich sehr leid tut, die aber im Grunde nicht einzigartig sind, also so etwas wie Zeitungen oder Gesetzesblätter oder andere Publikationen, die man wenigstens theoretisch, aber meistens auch praktisch, wiederbeschaffen kann. Archivgut selber ist insofern nicht verloren und werden wir deswegen auch bergen und hoffentlich in Gänze wiederherstellen können.

WDR: Wie kann jetzt der spezielle Container der Kölner Feuerwehr konkret helfen?

Rettung Stadtarchiv Stolberg nach Hochwasser

Altena: Er hilft uns einfach, weil wir trotz des großen Engagements der Stolberger Bevölkerung und unseren eigenen Anstrengungen nach wie vor in einer Überforderungssituation stecken. Man muss einfach so schnell wie möglich ran an die Unterlagen, weil jeder Tag bedeutet eventuell dann doch stärkere Verluste und Schäden. Dafür ist es von großem Wert, dass die Stadt Köln uns ihre Hilfe angeboten hat.

WDR: Welche sind die größten Schätze des Stolberger Stadtarchivs, die sie retten konnten?

Altena: Das ist schwierig zu sagen. Archivare und Historiker können das wohl immer am wenigsten beurteilen, weil sie dann immer eine persönliche Meinung zu dem oder dem Dokument oder Schatz haben. Ich selber habe jetzt am Abend des Hochwassers die ältesten Bestände des 17. und 18. Jahrhunderts gerettet. Ebenso eine Kiste mit Fotos aus der Kaiserzeit. Darum hätte es mir sehr leid getan, wenn diese Dinge zerstört worden wären.

Das Interview führte Florian Bechholz.

Stand: 20.07.2021, 20:31